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Ein Leben in Bedrangnis 11
Datum: 29.05.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byachterlaub
... unternehmen wollten. Das kam mir sehr entgegen. Ich hatte bislang die Stunden nach Dienstschluss meist damit verbracht, in der Hotelbar noch ein oder zwei Budweiser oder Urquell zu trinken und bin dann bald ermattet ins Bett gefallen. Jiri verabredete sich zu meiner Überraschung mit mir in einem Hotel, dessen Namen ich aus Gründen der Diskretion verschweige. In der Hotellobby saßen einige Gäste, lasen Zeitung und tranken Kaffee, Bier oder Wein. Als ich mich an einen der leeren Tische setzte, fiel mir sogleich am Nebentisch eine wunderhübsche Frau von vielleicht zwanzig Jahren auf. Bald schon trat Jiri hinzu. Er setzte sich, und ich deutete ihm mit einer leichten Kopfbewegung in Richtung der Frau. Jiri lachte nur, beugte sich zu mir und sprach: „Deshalb sind wir hier. Schau dich nur um. Die alleinstehenden Damen sind alle Prostituierte. Sie warten in der Lobby auf Kundschaft. Den Portier haben sie geschmiert. Du willst sie sicher kennen lernen. Ich arrangiere das." Ich war verblüfft, nicht weil sich in dem Aufenthaltsraum Prostituierte aufhielten, sondern weil diese Frau so außerordentlich hübsch war, dass ich mich fragte, weshalb sie so etwas nötig habe. Jiri klärte mich auf. „Die Armut ist immer noch groß. Und dann wollen die jungen Dinger auch etwas vom Leben haben. Das geht am leichtesten auf diese Weise." Danach stand er auf, ging an den Nebentisch, sprach mit der jungen Frau einige Worte auf tschechisch. Sie setzte sich zu uns an den Tisch. Jiri stellte ...
... mich vor. Ich konnte beinahe kein Wort herausbringen, so sehr beeindruckte mich die Anmut und wahre Schönheit dieser Person. Sie sprach einige Worte deutsch und ein bisschen englisch. Jiri hatte wohl schon am Nebentisch das Geschäftliche erledigt. Denn sie bat mich schon kurz darauf, ihr unauffällig zu folgen. Jiri winkte mir zum Abschied zu und wünschte mir mit einem breiten Grinsen viel Vergnügen. Zwei Nebenstraßen weiter ging es in einen alten schäbigen Bau. Der Putz bröckelte von den Wänden. Es stank nach irgendwelchem Desinfektionsmittel. Die Wohnung im zweiten Stock war schlicht und mit altem schweren Mobiliar versehen. Das Schlafzimmer, in das mich die Schöne dann führte, machte den Eindruck eines billigen Puffs. Kitschig rot bis rosa war die Grundfarbe. Überall stand Nippes herum. Die Beleuchtung war schummerig. Beinahe bin ich über eine Flokati gestolpert, der den Weg zu dem Himmelbett wies. Sie nannte sich Luna. Ihr war wohl nicht bekannt, dass sie nichts von einer Mondsüchtigen an sich hatte. Luna also machte keinerlei Umstände und zog sich sogleich aus. Zu ihrer Arbeitsbekleidung gehörte ein durchsichtiger schwarzer Büstenhalter und Strapse. Beides ließ sie zunächst an. Immer noch war ich hingerissen von der Schönheit dieser Person. Ihre rotblonden Haare trug sie leicht gewellt und halblang. Der Mund war fein geschwungen und von Natur aus rosig. Sie hatte erst gar keinen Lippenstift aufgelegt. Überhaupt strahlte ihr Gesicht eine große Zartheit aus. Der ...