1. Ein Leben in Bedrangnis 11


    Datum: 29.05.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byachterlaub

    ... und sie umarmte.
    
    Nadine war sehr füllig geworden. Ich hatte Schwierigkeiten sie wie gewohnt mit den Armen zu umspannen. Geheimnisvoll sprach sie zu mir: „Warte nur bis zu Hause. Ich habe eine große Überraschung mitgebracht." Mit dem Gepäck an beiden Armen bin ich voran gelaufen. Bald waren die Sachen im Kofferraum verstaut, und los ging es zu ihrer Wohnung im elterlichen Haus.
    
    Was mit ihr los war, realisierte ich erst dort. Als sie ihren Mantel ablegte, bemerkte ich ihren dicken Bauch. Das war offensichtlich nicht angefressen. Und sie strahlte mich an: „Denis, ich bin schwanger -- von dir." Meine Verblüffung kann sich jeder vorstellen. Andererseits, so wild wie wir es getrieben haben, konnte das nicht ausbleiben.
    
    Es muss wohl kurz vor ihrer Abfahrt passiert sein. Schon war sie mir entschlüpft, um die frohe Botschaft ihrer Mutter zu überbringen. Die hatte sich allmählich von dem frühen Tod ihres Mannes erholt. Und ihre Freude war groß, endlich einen Enkel zu bekommen. So haben wir die Rückkehr als ganz privates Fest im kleinen Kreis gefeiert.
    
    Es war das erste Mal, dass ich für längere Zeit in der Umgebung ihrer Mutter war. Auch sie war Lehrerin und hatte diese strenge Art offensichtlich ihrer Tochter vererbt. Für ihre Anfang fünfzig sah sie ganz passabel aus. Sie hatte nicht den Vorbau ihrer Tochter und war wohl etwas fülliger.
    
    In ihrer sanften Art erinnerte sie mich indes wiederholt an Nadines zarte Seite. Mich hatte sie vom ersten Moment an, wie sie sagte, ...
    ... ins Herz geschlossen. Bald schon kam die Rede auf Hochzeit, Familie und ähnliches. Da schaltete ich erst einmal ab. Zu neu war die Situation. Ich musste erst den Schock, Vater zu werden verdauen.
    
    Allmählich, vor allem in der Besinnlichkeit der Weihnachtszeit, machte ich mich mit diesem Gedanken dann vertraut. Wir überlegten, ob es nicht besser sei, bei Nadine einzuziehen. Es wäre immer eine Oma zugegen, die sich gegebenenfalls um das Kind kümmern könnte.
    
    Alles schien mir so logisch und einfach, aber ich wollte meine Unabhängigkeit noch nicht endgültig aufgeben und bat um Bedenkzeit bis spätestens vierzehn Tage vor dem errechneten Geburtstermin Ende Januar. Nadines Mutter drängte massiv darauf, dass ich schon vor der Geburt mein Kind beim Jugendamt anerkennen sollte. Um des guten Friedens willen gab ich nach und habe die Erklärung noch kurz vor der Jahreswende abgegeben.
    
    Innerlich schwankte ich noch. Aber mir war schon bewusst, dass ich mich in das Unvermeidliche begeben müsse. Allerdings wollte ich für alle Fälle meine Wohnung auf einige Zeit behalten. Das war wirtschaftlich sicher Unsinn, aber ich hatte in der Vergangenheit so viel verdient, dass es finanziell keine große Belastung darstellte.
    
    Die Wochen bis Neujahr haben wir dann mit vielen Plänen und vor allem damit verbracht, gemeinsam mit ihrer Mutter die Babyausrüstung zu beschaffen. Nadine wusste schon, dass es ein Mädchen wird. So waren bald Kinderwagen, eine Wiege, eine Wickelkommode und Kleidungsstücke in ...
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