1. Ein Leben in Bedrangnis 11


    Datum: 29.05.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byachterlaub

    ... unterschiedlichen Größen gekauft. Nadines Einliegerwohnung bot genug Platz für ein Kinderzimmer, das ich malermäßig zwischen den Feiertagen herrichtete.
    
    Anfang Januar sollte ich vorerst das letzte Mal für drei Tage nach Warschau fahren. Ich hatte keine Bedenken, Nadine allein zu lassen. Denn die Schwangerschaft verlief komplikationslos.
    
    Mein Handy hatte während der Fahrt seinen Geist aufgegeben. Der Akku war wohl kaputt. So hatte ich am letzten Tag meines Aufenthalts keine Verbindung nach Hause.
    
    Erstaunt war ich schon, als mich am Flughafen nur Nadines Mutter erwartete. Mir schoss zunächst nur durch den Kopf, dass Nadine vielleicht schon in der Entbindungsklinik sei. Vorgestern hatte ich noch vergnügt mit ihr plaudern können. Wild gestikulierend kam Nadines Mutter auf mich zu.
    
    Ich wunderte mich schon, weshalb sie heute einen hässlichen schwarzen Mantel trug. Da schoss es schon aus ihr heraus: „Denis, weißt du denn nicht, Nadine ist tot. Sie ist gestern Nacht gestorben. Das Kind hat gerettet werden können. Ist das nicht furchtbar?" Mir riss es fast die Beine weg. Das konnte doch nicht sein. Sie war doch gesund.
    
    Wie in Trance bin ich dann zum Taxi und zu ihr nach Hause. Ganz plötzlich, erzählte sie, habe Nadine starke Blutungen bekommen. Man habe einen Kaiserschnitt gemacht. Sie ist aus der Narkose nicht mehr aufgewacht. Es soll ein allergischer Schock gewesen sein. Nur wer ähnliches erlebt hat, kann sich in meine Gefühlswelt hineinversetzen.
    
    Fragen ...
    ... prasselten auf mich ein. Was wird aus mir? Kann ich meinen Beruf fortsetzen? Was mache ich mit dem Kind? Wer kümmert sich? Wo soll ich fortan wohnen und leben? Finde ich eine Frau, die sich um mich und das Kind kümmert?
    
    Trotz alledem hatte Nadines Mutter noch einen Rest von Ruhe bewahren können. Schließlich hat sie innerhalb eines halben Jahres ihren Mann und ihre Tochter verloren. Sie versuchte mich zu trösten. „Sei froh Denis, dass du noch beim Jugendamt unterschrieben hast. Jetzt bekommst du das Kind. Ich werde als Oma immer für dich und Nadines Kind da sein."
    
    Die Tage bis zur Beerdigung und noch zwei weitere Wochen hat mir mein Chef sogleich frei gegeben. Er war wirklich verständnisvoll. Ohne weiter zu überlegen, bin ich in Nadines Wohnung eingezogen. Ein paar Kleidungsstücke sollten reichen.
    
    Das Kind, wir wollten es nach der Oma Elisabeth nennen, musste wegen Gelbsucht noch für ein paar Tage in der Klinik bleiben. Irgendwie verging dann die Zeit bis zur Beerdigung wie im Flug. Ich war so außer mir, dass ich sogar vergaß, Binh von dem Todesfall zu unterrichten. Mir war, als träumte ich.
    
    Erst als sie dann unter der Erde lag, als ich einen letzten Blick auf den Sarg geworfen hatte, kam ich langsam wieder zur Besinnung. Ich musste mich aufraffen und -- zumindest dem Kinde zuliebe -- mein Leben ordnen. Kein Lokal, keine Freizeitgestaltung, und vor allem keine noch so verführerischen Frauen interessierten mich in dieser Lage.
    
    Gelegentlich erinnerte ich mich, wie es mit ...
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