1. Geliebter Dämon 01: Der fremde Mann


    Datum: 17.06.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byPhiroEpsilon

    ... dieser Nachname herkommen mochte. Er war Psychotherapeut, was ihn in den Augen der Mädchen umso interessanter machte.
    
    Janine war die erste, die versuchte, ihn anzubaggern. Und während dieser Aktion sah ich auch zum ersten Mal sein Lächeln. Für mich schien es, als sei die Sonne hinter den Wolken hervorgebrochen. Vor allem, als Janine kurz darauf schulterzuckend zurück an unseren Tisch kam. "Nicht interessiert, meint er."
    
    Stirnrunzelnd versuchte ich abzuschätzen, wie wohl meine Chancen standen. Janine war nicht unbedingt ein Supermodel, aber sie sah gut aus. Besser als ich auf jeden Fall. Sie hatte auch keine Probleme damit, ihre Oberweite — auch ohne Pushups beeindruckend — zur Schau zu stellen. Ein Mann, der sie in einer Singlebar abblitzen ließ, musste schon eine ziemlich hoch liegende Qualitätslatte haben. Eine Durchschnittsfrau wie ich konnte och nicht einmal davon träumen, sie zu erreichen.
    
    Im Laufe der letzten paar Wochen versuchten es alle meine Freundinnen irgendwann einmal bei ihm. Nur ich nicht. Warum eigentlich? Er war gutaussehend, ohne zu übertreiben, er hatte dieses wirklich echt wirkende gewinnende Lächeln. Wartete ich darauf, dass er mich ansprach? Das würde wohl in hundert Jahren nicht passieren.
    
    Vielleicht — so versuchte ich meine Gefühle zu objektivieren — war es genau das. Ich hatte keine Minderwertigkeitskomplexe, aber er suchte sicher jemanden, der weit oberhalb meiner Liga spielte.
    
    Samstag
    
    Doch dann kam der Abend, den ich nie ...
    ... vergessen werde. Es war der Samstag, an dem diese alternde Boyband im Stadtpark ein Open-Air-Konzert gab. Alle meine Freundinnen waren dorthin gezogen. Doch ich hatte aus irgendeinem Grund keine Lust gehabt und eine Erkältung vorgeschützt. Eigentlich hatte ich zu Hause bleiben und mir eine Wiederholung von
    
    Pretty Woman
    
    oder
    
    Titanic
    
    reinziehen wollen.
    
    Doch dann fand ich mich im
    
    Dark Nights
    
    wieder, an unserem Stammtisch, ganz allein, und sah ihn am Tresen stehen. Plötzlich wandte er den Kopf und blickte mich an. Nein, ich hatte das Gefühl, als blickte er in mich hinein, riss all meine Verteidigungslinien nieder und erkannte mein Wesen, meine mühsam überpinselte Einsamkeit. Er lächelte mich an und ich stand auf.
    
    Ob die zwei Cocktails verantwortlich waren, die ich schon intus hatte, weiß ich nicht, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, als würde ich neben mir stehen, und mich selbst beobachten, während ich lächelnd auf ihn zu ging— schwebte, schritt, schlenderte, was auch immer.
    
    Ferngesteuert, irgendwie.
    
    "Hallo", sagte — flüsterte, schnurrte — ich.
    
    "Hallo, Angela", antwortete er. Irgendwie wunderte ich mich in dem Moment überhaupt nicht, dass er meinen Namen kannte. "Möchtest du etwas trinken?", fuhr er fort. "Einen
    
    Sex on the Beach
    
    für die Dame", sagte er zu dem Barkeeper, ohne auf meine Antwort zu warten.
    
    "Was?", platzte ich heraus. Meinen Namen zu kennen, traute ich ihm zu. Aber meinen Lieblingsdrink?
    
    Er grinste verschmitzt wie ein kleiner ...
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