1. Verrat 2


    Datum: 17.07.2021, Kategorien: Hardcore, Autor: A-Beatrye

    ... Was war das den jetzt?
    
    Ich stellte die Flasche wieder hin und befühlte meine Zähne. Meine Güte, warum sind die denn alle lose, war mein Gedanke. Es war wirklich so. Alle konnte ich mit dem Finger bewegen, sogar die Backenzähne. Ich war erschreckt. Wie sollte ich so essen? Wie konnte das passieren?
    
    Dann viel mir wieder unser Geschichtsunterricht ein, die Krankheit der Seeleute. Skorbut. Ich hatte Wochenlang nur Wasser bekommen, meinem Körper fehlte es an allem, vor allem an Vitaminen. Sie brauchten mich nicht zu hängen, ich wäre in wenigen Tagen von alleine gestorben.
    
    Ich griff wieder zur Flasche und entkorkte sie von Hand. Ich nahm einen Schluck und erkannte den säuerlichen Wein. So ein Mist, dachte ich. Wenn ich den jetzt trinke, kann ich mich anschließend zu denen in die Betten legen und mir von denen den Rest geben lassen. In meinem Zustand würde mir diese viertel Flasche den Rest geben. Ich stellte sie weg.
    
    Ich tastete mit den Fingern nach den Oliven und führte sie mir zum Mund. Vorsichtig kaute ich auf ihnen und erkannte, dass sie steinlos waren. Wieder griff ich in die Schale und wollte sie mir schon in den Mund stopfen, da besann ich mich auf eine der Geschichten, die ich bei unserem Besuch in Buchenwald über die Geretteten gelesen hatte. Auch sie beschreiben, wie sie nach ihrer Rettung durch die Amerikaner über das Essen im Offizierskasino hergefallen waren, nur um es danach unter Krämpfen wieder auszukotzen. Ihre Mägen waren nicht mehr daran gewöhnt, ...
    ... reichhaltiges Essen aufzunehmen. Widerwillig ließ ich die Oliven wieder los und tastete weiter zum Baguette. Mit dem Finger puhlte ich das Weiche aus dem Inneren und steckte es zu der zerkauten Olive in den Mund und kaute weiter. Ich nahm noch einen Schluck des Weins und als es nur noch angenehmer weicher Brei war, schluckte ich es Bissen für Bissen herunter. Ich machte es noch drei mal so und war satt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich mich übergeben musste, also hatte ich alles richtig gemacht. Was mach ich nun?
    
    Ich musste hier weg, so schnell und so weit wie möglich. Sollte ich noch nach was zum anziehen suchen? Nein, ich wollte nicht ins Haus zurück. Nicht zu diesen Kerlen. Ich griff nach dem Messer und schlich mich ums Haus und auf den Weg zu, der im dunklen leuchtete. Ich würde bestimmt bei anderen was finden, ich hatte da so meine Erfahrungen.
    
    Als ich dem Weg zu Ende gefolgt war, blieb ich angewurzelt stehen. Sie hatten mich nicht einfach aus Überheblichkeit ungefesselt liegen gelassen, sie wussten, dass ich nicht weg konnte. Ich war auf einer gottverdammten Insel.
    
    Ruhig Blut dachte ich. Wenn das eine Insel ist, dann müssten die ja auch irgendwie hergekommen sein. Vor mir war ein steinerner Steg. Ich ging auf im entlang und fand am Ende ein Motorboot vertäut. Ich stieg hinein und untersuchte es. Ich fand sehr schnell das Zündschloss, aber keinen Schlüssel. Den hatten bestimmt diese Typen. Wenn ich hier weg wollte, musste ich zurück zum Haus.
    
    Ich sah aufs ...
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