-
Die Drei von der Tankstelle
Datum: 20.07.2021, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byblackpencil6
... willst das doch. Dein Getue war mehr als eindeutig," kam die Antwort. Die Stimme des Cowboys nahm einen aggressiven Unterton an. Der jüngere Mann wirkte dagegen eher verunsichert. Linda wollte sich an den beiden Männern vorbei schieben, aber der kräftige stand von der Liege auf und stellte sich ihr in den Weg. Ohne zu zögern fischte Linda ihr Mobiltelefon aus der Handtasche. „Ich rufe die Polizei!" In ihrer Stimme schwang jetzt deutlich hörbare Panik mit. Ehe sie eine Nummer wählen konnte, schnappte sich der vor ihr stehende Mann das Handy und warf es dem anderen zu. Der war von der Entwicklung jedoch offensichtlich vollkommen überrascht und griff unbeholfen und viel zu spät nach dem heran fliegenden Gerät. Es segelte an ihm vorbei und knallte hinter ihm auf den harten Boden, wo es in seine Einzelteile zerplatzte. Erschrocken drehte sich der Junge zu dem Geräusch um. Das war Lindas Chance. Sie rammte ihrem Angreifer einen spitzen Absatz in den Fuß, und als der schreiend auf einem Bein zurück sprang, flitzte sie an beiden Männern vorbei in Richtung Ausgang. Genau in diesem Augenblick kam ein Unbekannter herein und beim Klang der Türglocke hüpfte Lindas Herz vor Hoffnung auf Hilfe. Doch sobald sie die neue Situation erfasst hatte, erstarrte sie entsetzt. Der groß gewachsene Neuankömmling trug eine beige Weste mit aufgesetzten Taschen über einem ehemals weißen, kurzärmeligen Hemd und ausgebeulte Hosen in Tarnfarben, die in halbhohen geschnürten Stiefeln steckten. ...
... In seiner Armbeuge hielt er locker ein Gewehr. Zwar zielte er damit nicht auf Linda, aber die Drohung lag doch überdeutlich in der Luft. Seine weißblonden Haare waren an den Schläfen und am Hinterkopf kurz rasiert. Der harte Zug um seine Mundwinkel wollte auch nicht verschwinden, als er die Frau breit angrinste. „Holla! Sie wollen uns doch nicht schon wieder verlassen?" „Lassen Sie mich gehen! Es kann jederzeit ein Auto vorbeikommen und man kann von außen überdeutlich sehen, was hier gerade vorgeht. Sie werden große Mühe haben, dies alles der Polizei zu erklären. Darum habe ich einen Vorschlag", Linda versuchte, ihren Worten möglichst viel Überzeugungskraft zu geben, „lassen Sie mich gehen und wir vergessen das hier einfach alle. Wir gehen friedlich nach Hause und niemand bekommt Ärger. OK?" Die beiden anderen Männer hatten sich von ihrer Überraschung erholt und eilten heran. Der Kräftigere packte sie unsanft am Arm und zischte: „Nee, daraus wird nichts. Für den Tritt schuldest du mir was." „Erinnerst du dich an das Umleitungsschild?", wollte der Jäger wissen, „ich habe es wieder an seinen Platz gestellt. Damit ist die Straße hierher gesperrt. Die ganze Nacht über wird kein einziges Auto mehr kommen." „Und in weitem Umkreis ist kein einziges bewohntes Haus", raunte der Mann neben ihr ins Ohr, „also versuche gar nicht erst zu schreien oder wegzulaufen. Her mit den Autoschlüsseln!" Er entwand ihr die Handtasche und warf sie hinter den Tresen. Dann zerrte er ...