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Alisha -- Vorgeschichte 01
Datum: 24.07.2021, Kategorien: BDSM Autor: byAstrum Argenteum
... betrachten. Und sie übte, und trainierte, und arbeitete an ihrer Seele, um sie zu retten, sie zu polieren, um aus einem rauen Stein einen Diamanten zu machen. Sie wurde eine wahre Tochter der Flammen. Wenn sie nun gequält wurde, löste sie sich aus ihrem Körper, während sie gleichzeitig ihre Rache plante. Sie lernte, sich zu fokussieren. Ihren Körper zu stählen, durch Kampfsport und okkulte Philosophie. Sie lernte, ihren Körper wieder zu spüren, sich wieder ans Leben zu klammern. Sie lernte, ihre Ausbrüche unter Kontrolle zu bekommen. Sie fasste es als ihr oberstes Ziel, ihr Abitur zu machen und dann der Institution, ihrer Familie, der Kirche und der Gesellschaft, die all das hervorgebracht hatte, den Rücken zu kehren. Nicht um zu fliehen, sondern um einen Weg zu gehen der sie unabhängig von all diesem machte. Es war in dieser Zeit, dass sie mich kontaktierte, und wir uns kennenlernten. Aus Gründen, und auf eine Weise, die ich ebenfalls bei anderer Gelegenheit erzählen werde. Es war der Beginn einer verrückten, wunderbaren, aber manchmal auch schrecklichen Freundschaft, einer amour fou ohne doppelten Boden. Wir glühten füreinander, brannten gemeinsam, verloren uns wieder, „versöhnten" uns, und lagen eines Tages gemeinsam im Bett, als sie mich bat, sie zu schlagen. +++ Heute, im Rückblick, habe ich es verstanden. Habe ich ihre Philosophie verstanden. Ihr ging es bei allem nur um eine Sache: sie war kein Opfer. Wenn sie mich, oder jemand anderen bat, sie ...
... zu schlagen, dann sprach aus ihr kein Opfer. Sondern eine Frau, die selbstbewusst das einforderte, was ihr Lust bereitete. Weil sie wusste, dass die Schmerzen, die ihr diese Lust bereiten, mit einer Welt zusammenhängen, die die meisten anderen Menschen nicht verstehen werden. Ihre Welt, aus Schmerzen geboren. Aus den Schmerzen, zu Licht geworden. Wenn Leute ihr sagten, dass sie doch krank sei, gar eine Therapie machen solle... Als ob sie nicht schon in Behandlung gewesen war! Ein Problemfall. Ein Fall. Fall. Nicht dass eine Therapie nicht manchen Leuten helfen kann. Aber so funktioniert es halt auch nicht. Als ob man einen Menschen einfach so reparieren könne. Das hat sie selbst realisiert. Und verstanden, dass die einzige, die ihr Heilung bringen kann, sie selbst ist. Ihre Konfrontation mit dem Schmerz, und der Erniedrigung, ist ihre Art des Exorzismus. Sie weiß selbst, dass sie die Schmerzen, die sie in sich trägt, nicht einfach ablegen kann. Aber sie kann versuchen, einen Umfang damit zu finden. Wo die Schmerzen sie nicht mehr kontrollieren, sondern umgekehrt, sie die Schmerzen kontrolliert. Wo sie Schmerzen nicht mehr braucht, um glücklich sein zu können, aber eben auch durch Schmerzen glücklich sein kann. Ohne sich dafür schämen zu müssen. Weil sie es gelernt hat, weil es ihre Art ist, sich selbst zu fühlen, sich zu heilen. Wer darin nur die Härte sieht, das Abhärten, den pathologischen „Fall", der übersieht, welchen Einfluß der Schmerz und das Leiden an ...