1. Cora's Huette am See


    Datum: 30.07.2021, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byblackpencil6

    ... stelle hier die Fragen", brüllte der Mann und ich hielt eingeschüchtert den Mund.
    
    „Ist sonst noch jemand hier?"
    
    Ich schüttelte matt den Kopf.
    
    „Habt ihr ein Auto?"
    
    „Ja, draußen", brachte ich kaum hörbar hervor.
    
    „Die Schlüssel?", drängte er.
    
    „Im Rucksack drüben." Ich wies mit einer Kopfbewegung die Richtung.
    
    Benommen sah ich zu, wie er hinging, den Inhalt des Rucksacks auf den Boden leerte und die Schlüssel, das Handy und Coras Brieftasche an sich nahm. Bargeld und Kreditkarten nahm er heraus, den Rest ließ er achtlos fallen.
    
    „Und?", es klang weniger wie eine Frage, als wie eine Drohung.
    
    Ich zeigte ihm also auch, wo meine Tasche stand, die er genau so ausräumte. Als er Anstalten machte, die Hütte zu verlassen, wachte ich aus meiner Lethargie auf.
    
    „Warten Sie", rief ich, „Sie können uns doch hier nicht hilflos zurücklassen."
    
    „So, und warum nicht?", sein Blick wirkte halb amüsiert, halb genervt, „es sind Leute hinter mir her. Und ich habe keine Lust, mich mit euch zu belasten, damit sie mich schnappen und mir hinterher auch noch Geiselnahme oder so'n Scheiß anhängen."
    
    „Aber meine Freundin ist verletzt und bewusstlos. Wenn sie stirbt, sind Sie wegen Mord dran. Binden Sie mich los, damit ich mich um sie kümmern kann."
    
    „Kommt gar nicht in Frage", er schüttelte unwillig den Kopf, „ich kann drauf verzichten, dass du mir gleich die Bullen auf den Hals hetzt, sobald ich aus der Tür bin."
    
    „Wie sollte ich? Es gibt hier kein Telefon. Unsere Handys ...
    ... und den Wagen haben Sie. Legen Sie sie doch wenigstens aufs Bett", beharrte ich.
    
    Er machte den Eindruck, mich ignorieren zu wollen. Aber dann zuckte er die Schultern, brummte unwillig und trabte zurück zu der Stelle, wo er Cora niedergeschlagen hatte. Als er sich neben ihr bückte, bemerkte er offenbar zum ersten Mal ihren offenen Bademantel und grinste anzüglich.
    
    „Legen Sie sie nur aufs Bett!", kreischte ich beinahe hysterisch.
    
    Tatsächlich zuckte er kurz zusammen. Er nahm Cora auf seine Arme und trug sie wie eine Puppe zur Schlafcouch, ohne dass man ihm auch nur anmerkte, dass er ein Gewicht trug. Nahezu sanft bettete er sie auf die Decken. Der Bademantel war ohne den Halt gebenden Gürtel mittlerweile völlig verrutscht und Cora lag quasi nackt vor ihm. Er sah auf sie hinab, leckte sich die Lippen und in seine Augen trat ein gefährliches Glitzern. Da wurde mir bewusst, dass ich einen schrecklichen Fehler begangen hatte, als ich ihn nicht sofort hatte gehen lassen.
    
    Meine Gedanken rasten, als ich verzweifelt versuchte, einen Ausweg aus dieser verfahrenen Situation zu finden. Auf keinen Fall durfte ich zulassen, dass er Cora etwas antat. Als er neben ihr in die Hocke ging und eine Hand nach ihr ausstreckte, musste ich handeln.
    
    „Warten Sie", rief ich, noch immer unsicher, was ich tun könnte.
    
    Er sah ungehalten zu mir herüber. Ich musste ihn irgendwie von Cora ablenken. Ich nahm eine Pose ein, die ich für lasziv hielt, was angesichts des lockeren Jogginganzugs, den ...
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