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Sünde, Schuld und Strafe
Datum: 02.11.2021, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byDingo666
... Freundinnen nahmen sichtlich wenig Rücksicht auf ihren Zustand. Sie warf den beiden einen hasserfüllten Blick zu. Der lange angeschwollene Ball aus Wut, den sie in ihrem Bauch spürte, musste heraus, sonst würde er sie von innen her verbrennen. Dennoch zögerte sie, ihre Laune an Lucy und Antje auszulassen. Die zwei konnten genauso heftig zurück giften. Nicht umsonst galt das Trio als „die blonden Superzicken aus der 12b". Ein Titel, den die drei mit Stolz trugen. Ein Ruf, den sie jederzeit gerne bestätigten. Nein, sie brauchte jetzt dringend ein anderes Opfer. Jemand, der... „Schau mal, Diana", prustete Antje unterdrückt. „Dein Lieblingsverehrer hat wieder diesen Blick drauf!" Diana drehte sich nur flüchtig um. Sie wusste bereits, was sie sehen würde. Und richtig: Adelbert, zwei Reihen hinter ihr, sah sie aus riesigen braunen Hundeaugen an. Er spürte genau, dass es ihr nicht gut ging, und er würde alles tun, um ihr zu helfen. Adelbert! Der Gedanke an diesen Penner steigerte ihre Erbitterung nur. Die Kugel in ihrem Magen nahm das Gewicht und die Konsistenz von geschmolzenem Blei an. Adelbert! Der in der Nachbarschaft wohnte, und der sie heimlich, aber ausdauernd verehrte, seit sie zusammen in die fünfte Klasse kamen. Der gutmütige, linkische, unsportliche und nur mäßig helle Adelbert. Die Witzfigur der Schule, das Lieblingsziel für hämische Bemerkungen und blöde Sprüche. Er duckte sich nur bei jedem Angriff und lächelte verzweifelt, wenn ihn jemand schlug. ...
... Falls er einen Schwanz gehabt hätte, dann würde er todsicher damit wedeln. Unwillkürlich verzogen sich Dianas Lippen zu einem bösen Lächeln. Sie dachte an einige der ausgesucht hässlichen Scherze zurück, die sie mit Adelbert schon getrieben hatten. Wie damals etwa, beim Aufklärungsunterricht in der Siebten, als sie den Lehrer in aller Unschuld fragte, was eigentlich mit denjenigen Jungs sei, die bestimmt nie eine Freundin abkriegten. So wie Adelbert. Ob die sich ihr ganzes Leben lang einen runterholen mussten? Die Klasse johlte wie ein Orkan, und sogar der Lehrer grinste. Oder vor einem Jahr, an ihrem siebzehnten Geburtstag. Nach Schulschluss hatte Adelbert all seinen Mut zusammengenommen und ihr stotternd ein Kuvert überreicht. Darin zwei Kinokarten. Sein Gesicht zeigte die Farbe einer überreifen Paprika. Im ersten Augenblick wollte sie laut loslachen. Der Gedanke, dass sie mit jemand wie Adelbert ausgehen würde, war so absurd wie Schnee im August. Stattdessen schlug sie die Hände zusammen und flötete. „Das ist soo lieb, Adelbert. Vielen, vielen Dank. Aber -- du weißt doch, dass ich immer mit Lucy und Antje weg bin. Zwei Karten sind eine zu wenig. Ich kann schlecht nur eine von den beiden mitnehmen, oder?" Adelbert hatte gestottert und gedruckst und sich geduckt. Und am nächsten Tag brachte er ihr tatsächlich eine weitere Eintrittskarte. Was hatten sie gelacht, als sie zu dritt im Kino saßen! „Du bist eine Hexe, Diana. So abgrundtief böse, dass du verbrannt ...