1. Sünde, Schuld und Strafe


    Datum: 02.11.2021, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byDingo666

    ... Worte. Dann nach vorne, zu dem blonden Engel in der zweiten Reihe. Sollte das „D" etwa für „Diana" stehen...?
    
    Sein Traummädchen wandte sich kurz um und blinzelte in seine Richtung. Sofort raste sein Herz los wie ein durchgehender Güterzug. Sie hatte ihm zugezwinkert? Das war so neu, so ungewohnt, dass sein Kopf sich drehte.
    
    Den Rest der Stunde hätte Mrs. Granger auch in Altmongolisch halten können, so wenig bekam er davon mit. Stattdessen kamen alle seine Träume, seine alten Sehnsüchte mit Macht an die Oberfläche. Seit Jahren verehrte er diesen Engel, natürlich aus sicherer Entfernung. Klar, dass sie ihn ignorierte. Alles andere war schlicht unvorstellbar. Er war ja nur ein kleiner Idiot, und sie der funkelnde Stern an seinem Firmament. Schön und hell und absolut unerreichbar.
    
    Die meiste Zeit war er dankbar und zufrieden, ihr heimlich hinterher zu starren. Die delikate Linie ihrer Schultern zu bewundern. Das überirdische Leuchten ihrer hellblonden Haare anzubeten. Oder -- dabei wurde sein Mund immer eigenartig trocken -- die sanfte Rundung ihrer Brust zu verfolgen, wenn sie sich halb umwandte und er ihre schlanke Gestalt von der Seite betrachten konnte.
    
    Diana, seine große Liebe. Diana, die Göttin. Und dieses Wesen wollte sich dazu herablassen, mit einem Wurm wie ihm zu sprechen? Von ihm Hilfe zu erbitten? Ihm, dem unsportlichsten Jungen der Schule? Der genauso heftig mit seiner Schüchternheit zu kämpfen hatte wie mit den Noten oder seiner Akne?
    
    Endlich ...
    ... ertönte die erlösende Klingel. Die Klasse strömte schwatzend hinaus. froh über das Ende dieses Schultags. Ein, zwei Frotzeleien galten ihm, aber heute achtete er nicht darauf. Stattdessen konzentrierte er sich, seine Bücher und Stifte extra langsam in die Mappe zu stauen.
    
    Auch Diana fand Vorwände, um zu bleiben, bis die anderen im Treppenhaus lärmten. Nach einem kurzen Rundblick nahm sie ihre Tasche und wandte sich Adelbert zu. Der schluckte hart und wäre um ein Haar geflüchtet. Einfach davon gelaufen vor dem warmen Lächeln, vor dem sicheren Schritt, und vor den hüpfenden Brüsten, mit denen sie näherkam.
    
    „Danke, dass du dageblieben bist, Adelbert." Sie fasste ihn am Arm und strahlte ihn aus nächster Nähe an. Das blendete ihn fast, und die leichte Berührung ihrer Finger schien sich in sein Fleisch zu brennen. Dazu blockierte ein Hauch ihres Parfums seine Atemwege.
    
    „Ah, äh..." meinte er geistesgegenwärtig.
    
    „Morgen werde ich achtzehn." Jetzt sah sie ihm direkt in die Augen, ernsthaft und bittend. „Endlich bin ich erwachsen. Endlich kann ich all das sagen und tun, was ich heimlich schon immer dachte."
    
    „Du...?"
    
    „Tut mir leid, wenn ich manchmal ein wenig grob zu dir war, Adelbert", schnurrte sie. „Das wollte ich nicht. Aber du weißt ja, wie die anderen sind. Ich musste eben mitspielen."
    
    „Jaja, sicher, klar, das musstest du! Das verstehe ich." Adelbert spürte das einfältige Lächeln auf seiner Miene. Das sah vermutlich furchtbar blöd aus, aber das war ihm egal. Sie ...
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