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Grober Sand 03
Datum: 10.01.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byLoreleyColter
... aufzurichten und verlasse die Zelle. Der Colonel baut sich vor mir auf, aber ich habe nicht die Geduld, ihm den nötigen Respekt zu zollen. „Was erwarten Sie überhaupt von mir?" Er verzieht den Mund. „Erfüllen Sie Ihren Auftrag." Zumindest weiß ich jetzt, dass der Befehl für diese Scheiße von ihm kam. Woher auch sonst? „Mit welchen Mitteln?" Oh, das klang wirklich etwas feindselig. Aber ein wenig Aggression in der Stimme verleitet ihn vielleicht zu ein paar ehrlichen Antworten. Die Augen des Colonels verengen sich zu Schlitzen. „In aller Frühe schon so streitlustig, Sergeant?" Ich kalkuliere seinen Reizbarkeitslevel anhand seines Gesichtsausdrucks. Es scheint, als ließe er sich noch ein bisschen weiter treiben. „Immer, Sir." Ich nehme Haltung an. Wie gern würde ich ihm ins Gesicht spucken. Er starrt mich unverwandt an. „Nun, Sergeant, Sie haben völlig freie Wahl in Ihren Mitteln." Tatsächlich. „Keine Regeln? Kein ... Völkerrecht?" Für den Bruchteil einer Sekunde weicht der Colonel meinem Blick aus. Das ist für mich Antwort genug. Wenngleich ich keine offene Bestätigung erwartet habe, kostet es mich einige Überwindung, mich nicht zu einer heftigen Reaktion hinreißen zu lassen. Aber ich brauche Informationen. „Sir? Ich habe gestern bereits alle Einsatzregeln überschritten. Wollen Sie, dass ich weiter gehe?" Ah, er zögert. Er weiß ganz genau, dass er mir das nicht bejahen, geschweige denn mir solche Befehle erteilen darf. Aber er verneint meine ...
... Frage auch nicht. „Colonel, Sir, wie weit soll ich gehen?" Er macht einen plötzlichen Schritt auf mich zu. Ich bewege mich keinen Millimeter, starre ihm ins Gesicht. Komm schon, sprich es aus! Ich höre seine Zähne knirschen. „Sie werden alles tun, alles, um Ihrem Subjekt die Antworten zu entlocken, die wir haben wollen. Wir müssen wissen wo sie war, was sie weiß und wer sie ist. Egal wie! Es gelten keine Vorschriften, kein Völkerrecht!" Das letzte Wort kotzt er regelrecht aus. Er packt meinen linken Oberarm, und ich weiß, dass er seine Finger mit voller Absicht in die Wunde gräbt. „Bane, reißen Sie sich zusammen! Die Sicherheit all Ihrer Kameraden hängt von Ihnen ab, von dem, was Sie von ihr erfahren. Sie ist keine von uns. Dieses Weib ist der Feind!" Er dreht sich auf dem Absatz um und stürmt hinaus. Bevor er die Tür hinter sich zuwirft, zischt er mir noch eine letzte Anweisung zu: „Paragraph 14-2 hat Sie nicht zu interessieren!" Ich bleibe sprachlos zurück. Der ultimative Freischein. -------------- Ist es möglich, seinen Ohren nicht zu trauen und zur gleichen Zeit nicht überrascht zu sein? Paragraph 14-2. Ich kenne den genauen Wortlaut nicht, es ist eigentlich nur ein winziger Absatz in dem Monstrum von Regelwerk für den Einsatz in bewaffneten Konflikten. Dennoch ist es ein kleiner heiliger Gral der zivilisierten Nationen, der gerade zu Scherben zertreten wurde. Ich weiß in jedem Fall, dass mein Folterknecht sich jetzt nicht mehr am Riemen reißen ...