1. Grober Sand 03


    Datum: 10.01.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byLoreleyColter

    ... muss. Der Colonel hat ihn gerade quasi dazu aufgefordert, seine aufgestaute sexuelle Frustration abzubauen. An mir.
    
    Ich warte darauf, dass sich Angst einstellt. Ich sollte mich in der hintersten Ecke zusammenkauern und die Beine zusammenpressen. Doch ich liege einfach nur da, beobachte den Sergeant, der zu Stein erstarrt ist und die Wand ansieht, mit einen Ausdruck absoluter Leere in den Augen. Ich glaube es dauert fast zwei, drei Minuten, bis er tief Luft holt und sich zu mir umdreht.
    
    „Hast du Hunger?"
    
    Ich nicke automatisch. Er geht nach draußen und die Tür fällt zu.
    
    Vorsichtig bewege ich eine Gliedmaße nach der anderen. Als ich mir sicher bin, dass alles noch da ist, raffe ich mich auf die Beine und hebe eine Decke auf. Unschlüssig halte ich sie einen Moment lang in der Hand. Einerseits will ich meine Blöße bedecken, andererseits gäbe ihm das etwas, das er mir vom Leib reißen kann. Das Zittern, das mich plötzlich erfasst, nimmt mir die Wahl ab. Ich wickle mir den rauen Stoff um den Körper und setze mich auf die Pritsche.
    
    Mein Magen knurrt, mir ist übel. Ich betrachte die Toilettenschüssel in der Ecke. Doch sie erscheint mir sogar zu widerwärtig um auch nur reinzukotzen. Ich springe auf und tigere die zwei Meter meiner Zelle auf und ab.
    
    Denk nach! Was ist zu tun?
    
    Meine Ausbildung kommt mir in den Sinn. „Psychische Belastungserfahrung" haben sie es genannt. Ich fand dieses Möchtegern-Foltertraining damals schon lächerlich und jetzt noch viel mehr. Wie ...
    ... können gefahrlose Rollenspiele in engsten Grenzen einen Soldaten auf das hier vorbereiten? Damals - es kommt mir vor wie eine Ewigkeit -- habe ich meinen Ausbildern ins Gesicht gelacht. Jetzt betrachte ich meine zitternden Hände und erinnere mich an die Worte meines Hauptfeldwebels: „Als Frau ziehen Sie in einer solchen Situation immer die Arschkarte. Im Feld interessiert sich niemand für Paragraph 14-2.". Genau das war wohl der Grund, aus dem er mich später noch viel, viel weiter „ausgebildet" hat.
    
    Der Sergeant ist wieder da. Er öffnet meine Zellentür, kommt herein und wirft mir eine braune Papiertüte und eine Flasche Wasser zu. Ich kann die Flasche gerade noch auffangen, aber die Tüte erwische ich nicht mehr. Der Inhalt verteilt sich über die Bretter.
    
    Ich beobachte ihn lauernd, wie er sich einfach auf den Boden setzt, die Beine verschränkt und sich an das Gitter lehnt. Raschelnd fischt er zwei Scheiben Toast aus seinem eigenen Lunchpaket.
    
    Verbissen sammle ich mein Frühstück auf und ich sehe aus dem Augenwinkel, dass er sich ein Grinsen nicht verkneifen kann, während ich einem Keks hinterherkrabble. Ich möchte ihm die ebenmäßig weißen Zähne ausschlagen.
    
    Als ich mein Essen zusammengekramt habe, setze ich mich ihm gegenüber an die Wand und puste den Sand von einer Scheibe Brot. Unter der Pritsche finde ich noch eine Portion Honig und nachdem ich das kleine Plastikding endlich aufbekommen habe, verstreiche ich den Inhalt mit der Hand.
    
    Ich lecke meine klebrigen ...
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