-
Die Burg Kapitel 02
Datum: 30.04.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor
Das nächste Mal, das ich aufwachte, war spät am Morgen. Ich schüttelte meinen Kopf und musste erst scharf darüber nachdenken, ob das, was ich erlebt hatte, ein Traum gewesen war, denn das Fenster war geschlossen. Ich hatte es nicht zugemacht und der innen liegende Drehriegel, hielt das Fenster abgesperrt. Also tat ich es als Traum ab, obwohl mir etwas keine Ruhe ließ. Ich bin ein pedantischer Mensch und kann bestimmte Dinge nicht ab. Dazu gehören zum Beispiel schief hängende Bilder. War ich zuhause der Meinung, dass eines schief wäre, holte ich die Wasserwaage und prüfte es nach. Nur senkrechte und waagerechte Linien erzeugten in mir Wohlgefallen. Wahrscheinlich ein Grund, dass ich künstlerisch nicht so begabt war. Hier war es ähnlich. Als ich mir den Knauf des Drehriegels anschaute, war er nicht vollkommen waagerecht ausgerichtet, wie ich es tat, aber vielleicht hatte ich dieses Mal nicht darauf geachtet. Immerhin war ich in einer fremden Umgebung. Trotzdem nahm ich mir vor, wenn ich noch einmal in diesem Zimmer übernachten sollte, darauf zu achten. Mit zittrigen Beinen stand ich auf, was ich jedoch auf die Temperatur zurückführte, denn es war in dem Zimmer eiskalt. Also ging ich duschen, um meine Glieder wachzurütteln. Die warme, wenn nicht sogar heiße Dusche tat mir gut, weckte die Lebensgeister und ich dachte, während ich mich abseifte darüber nach, was ich mit dem angebrochenen Tag machen sollte. Ich beschloss kräftig zu frühstücken, soweit das um diese ...
... Zeit möglich war, und würde mich danach in der Gegend umsehen. Immerhin hatte ich bis zum Abend Zeit. Schnell war ich in meinen Klamotten und stand wenig später im Schankraum der Gaststätte. Dieses Mal war ich alleine. Kein anderer Mensch war zu sehen. Entweder gab es keine anderen Gäste oder diese waren alle Frühaufsteher gewesen und bereits fertig. Dabei fiel mir erst jetzt auf, dass am Abend zuvor außer meinem Auto, keines vor der Gaststätte gestanden hatte. Wie waren sie hierher gekommen, wenn es sie gab. Warum mir der Gastwirt dann gestern Abend kein Zimmer geben wollte, war mir ein Rätsel. Es war sein Geschäft und wer ließ sich so etwas durch die Finger gehen. Doch das interessierte mich nur am Rande. Ich kam herein und hörte ihn im Hinterraum, dort wo ich die Küche vermutete, rumoren. Es klapperten ein paar Töpfe und der hohe Klang von Porzellan war dazwischen zu vernehmen. Da ich nicht wusste, wie lange es dauern würde, bis er erschien, drückte ich auf die Klingel, die auf dem Tresen stand. Kaum war der helle Klang ertönt, hörten die Geräusche im Nebenraum schlagartig auf und der fette Wirt steckte seinen aufgedunsenen Kopf durch die Tür. „Was wollt ihr?", fragte er kurz angebunden und ich fragte ihn nach einem Frühstück. „Hmmm!", sagte er brummelig, „Eigentlich etwas spät, aber da ihr ein Gast der Gräfin seid, mache ich eine Ausnahme. Setzten sie sich, ich mache was für sie fertig!" „Ah ha!", dachte ich. Eine Gräfin war sie also. Alter Adel ...