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Die Burg Kapitel 02
Datum: 30.04.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor
... musste mörderisch gewesen sein, eine solche Burg anzugreifen. Wenn ich jetzt die Augen schloss, konnte ich die Bilder vor mir sehen, sah brennende Menschen herumirren, während ein mit nassem Leder überdachter Rammbock versuchte, das Tor zu zertrümmern. An der Seite wurden Sturmleitern angelegt und von den Verteidigern, mit an langen Stangen befestigten Haken zurückgestoßen, damit sie nach hinten wegfielen und die bereits darauf hochkletternden Belagerer mitriss. Es musste das reinste Chaos gewesen sein, in welchem die Schreie der Verletzten und Sterbenden ein schauerliches Lied anstimmten. Mir wurde klar, warum die Eroberer es meistens damit versuchen, die Burg auszuhungern. Danach sah ich mir die Mauer genauer an. Der unterste Teil war aus großen, teilweise behauenen Steinen errichtet worden und bildete eine stabile Substanz. Hier durchzubrechen, war für die damalige Zeit kaum zu schaffen. Selbst die ersten Geschütze, wären auf absehbare Zeit, nicht damit fertig geworden. Die steinernen Kugeln wären wie Tischtennisbälle davon abgeprallt. Über diesem Sockel begann die wirkliche Außenmauer mit großen, akkurat zurechtgeschnittenen Quadern, die sich fugenlos aneinanderfügten. Sie bildeten die äußere, glatte Oberfläche. Dahinter war sicher, wie in vielen anderen Festungsmauern, Geröll verarbeitet worden, welches von innen wieder mit einer Mauer abgeschlossen wurde. Solche Mauern waren mehrere Meter dick und verjüngten sich nach oben hin. Hier unten sah alles ...
... gut aus, weiter oben weniger. Die Zinnen waren teilweise in einem schlechten Zustand und an manchen Stellen weggebrochen, wie man es vom Dorf aus sehen konnte. Als ich einige Schritte zurücktrat, konnte ich den mächtigen Bergfried sehen, der sich bedrohlich über die Burganlage erhob. Von hier unten konnte man die wenigen, schmalen Fenster erkennen und mir kam das Bild im Gastraum in den Sinn. Ich verglich es innerlich mit dem, was ich hier sah und meinte, dass der Maler es sehr genau genommen hatte. Sowohl die Anzahl stimmte, als auch die Höhe. Dann ging ich einmal um die Burg auf einem Weg entlang, der um das Anwesen reichte. Hier entdeckte ich einen schmalen Weg, der davon abzweigte. Aber ich wollte jetzt erst einmal in die Burg und ließ ihn links liegen. Wenig später kam ich an meinem Ausgangspunkt zurück. Ich hatte mich zuvor nie richtig mit mittelalterlichen Burgen befasst, kannte nur einige, wenige Details, aber diese Anlage kam dem, was ich mir darunter vorstellte, recht nah. Zum Schluss legte ich meinen Kopf in den Nacken und sah den Bergfried hinauf. Dabei meinte ich eine Bewegung hinter dem unteren Fenster zu sehen, konnte mich getäuscht haben. Danach drehte ich mich um und ging langsam den Weg zurück in Richtung Dorf. Den Rest des Tages verbrachte ich damit, über sonnenbeschienene Wege zu wandern und ließ es mir gut gehen. Erst als es dämmrig wurde, kehrte ich in das Gasthaus zurück. Wenn ich gedacht hatte, dass letzte Essen wäre bereits die Krönung ...