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Die Burg Kapitel 02
Datum: 30.04.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor
... einer Runde gemauert und musste recht alt sein. Aber das war nicht das, was mir gleich auffiel, obwohl es mich als Steinmetz interessieren sollte. Interessant war die Figur in der Mitte. Sie war eine aus Bronze gegossene Figur, die einen Dämon oder Teufel zeigte. Bocksbeinig stand er im Wasser und sein Gesicht zeigte eine abstoßende Fratze. Sein Mund war wie zu einem Schrei geöffnet und die überlange Zunge, hing aufgequollen heraus. Über diese Zunge ergoss sich ein Wasserstrahl in das Brunnenbecken. Seine Hände glichen eher Klauen. Eine davon hielt er hoch und zeigte eine lange Nase, so nannten wir jedenfalls die Geste, wenn der Daumen die Nasenspitze berührte und die restlichen Finger hintereinander abgespreizt wurden. Die andere Hand machte eine Faust und drückte gegen seinen Schritt, wahrscheinlich sollte es andeuten, dass er damit sein Geschlecht verbarg oder schützte. Alles war ausgerichtet, dass sein Kopf leicht angehoben war und er direkt zur Burg hochsah. So zumindest machte es auf mich den Eindruck, denn wenn ich mich vor die Figur stellte und ihren Blickwinkel kopierte, kam ich zu dem Ergebnis. Eine seltsame Figur, fand ich, konnte mir jedoch keinen Reim darauf machen, ob sie etwas Bestimmtes darstellten sollte, oder alles reiner Zufall war. Bei Gelegenheit würde ich den Wirt fragen. Da es noch nicht einmal Mittag war, wollte ich nicht zurück in die Wirtschaft, denn das ausgiebige Frühstück, hielt ich von einer erneuten Nahrungsaufnahme ab. Es lag mir so ...
... schwer im Magen, dass ich mir dachte, einen weiteren langen Spaziergang zu machen. Also setzte ich einen Fuß vor den anderen und wunderte mich nicht im geringsten darüber, dass sie sich von alleine in Richtung Burg bewegten. Wenn meine Füße schon die Richtung einschlugen, wollte ich mich nicht dagegen wehren. Also ließ ich sie laufen. Schon bald entdeckte ich eine schmale Straße, mehr ein mit Schotter überzogener Feldweg, der die Breite eines Autos hatte. Dieser Weg führte in Richtung Burg und ich nahm ihn in Anspruch. Er wurde steiler, als ich es gedacht hatte und führte in einem Bogen auf die Burg zu. Es war kein Wunder, dass man hier oben gebaut hatte, immerhin würde man von der Burg, besonders dem Bergfried eine gute Aussicht über die ganze Gegend haben. Doch vom Weg aus sah man nicht viel. Der Wald rings herum war viel zu dicht, um hindurchschauen zu können. Zum Schluss machte der Weg einen scharfen Knick und ich stand auf einem kleinen Vorplatz zum Tor der Burg. Nicht groß, für einen Parkplatz würde es reichen. Aber es war keiner, zumindest stand kein Auto hier. Wobei das nicht verwunderlich war, wenn man bedachte, dass die Burg Privatbesitz war und keine Besichtigungen angeboten wurden. Hier angekommen sah ich mir zuerst das Tor genauer an, welches von einer Pechnase überragt wurde. In diesem Moment konnte ich mir richtig vorstellen, wie man versuchte das Tor zu stürmen und den Angreifern heißes Pech, Öl oder Wasser von oben auf den Kopf geschüttet wurde. Es ...