1. Die Burg Kapitel 02


    Datum: 30.04.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor

    ... gewesen, hatte ich mich getäuscht. Als ich hineinkam, war mein Tisch nicht besetzt, sondern lud mich dazu ein, mich zu setzten. Die anderen Gäste im Raum beachteten mich kaum noch, da keiner da war, der nicht am Tag zuvor dort gewesen wäre. Bei dieser lockeren Stimmung, fühlte ich mich wesentlich wohler und sah als Erstes zum Kamin herüber, über dem sich am Abend zuvor ein Schwein gedreht hatte.
    
    An diesem Abend hing keines darüber, stattdessen drehten sich, dem Anschein nach, Hühnchen darüber, allerdings sehr große. Solche hatte ich noch nicht gesehen und ich fragte mich, wo es so Große gab.
    
    Sie sahen knusprig braun aus und mir lief das Wasser im Munde zusammen. Der Wirt kam sogleich, als ich mich gesetzt hatte, und fragte nach, ob ich einen ganzen oder einen halben Kapaun wünschen würde.
    
    Dieses Mal war ich schlauer als einen Tag zuvor. Da ich nicht aussehen wollte wie der Wirt, entschied ich mich für einen halben und dachte mir, dass es genug sein würde. Der Wirt verschwand daraufhin und kam mit einem Teller wie am Abend zuvor zurück. Schnell holte er einen der Vögel vom Drehspieß und ging zurück. Als er mir den angerichteten Teller unter die Nase stellte, kroch mir ein Duft in die Nase, der meinen Magen zum Rumpeln brachte.
    
    Zart das Fleisch, die Haut knusprig wie bei dem Schwein, mit einer leicht süßlichen Marinade überzogen, dessen Zucker karamellisiert war. Dazu gab es kleine in Rosmarinbutter angeschwenkte Frühkartöffelchen und glasierte Möhrchen.
    
    Mit ...
    ... meinem Vorsatz, weniger zu essen, war es sofort dahin. Ich dachte mir schnell, dass man in zwei Tagen nicht fett werden konnte, also ließ ich es mir schmecken. Das Fleisch saftig, der Rosmaringeschmack nicht zu dominant, im Hintergrund jedoch präsent. Dazu die vorsichtig gegarten Wurzeln, die innen Biss hatten und man nicht den Eindruck gewann, eine weiche Masse zu kauen.
    
    Rustikal, sicher, doch wenn ich so etwas bekam, dann konnte mir die feine Küche, welcher Nation auch immer, gestohlen bleiben. Langsam und mit großem Genuss, schob ich mir einen Bissen nach dem anderen zwischen die Zähne und kaute verzückt darauf herum. Unterstichen wurde das Ganze von einem gut gekühlten, leichten Wein mit nicht zu viel Säure, der mir zwischendurch vom Wirt gebracht wurde. Dieser wurde aus einem Tonkrug in ein für Weißwein zu großes Glas eingeschenkt.
    
    Der Tonkrug blieb dabei auf meinem Tisch stehen und kühlte den Wein so hervorragend, dass er selbst nach einer halben Stunde dieselbe Temperatur hatte wie zuvor.
    
    Irgendwann konnte ich nicht mehr und schob den noch nicht leeren Teller von mir weg. Ich schaffte es nicht, obwohl ich es für schade hielt. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich mir das übrig gebliebene Fleisch einpacken lassen, um es kurz vor dem Zubettgehen schmecken zu lassen. Aber soweit wollte ich es nicht kommen lassen. Ich würde sowieso mit einer Kugel im Bauch hineinrollen, mehr war nicht drin.
    
    Mit dem Weinglas in der Hand, drehte ich mich zu dem Bild mit der Burg um und ...
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