1. Der Kotzbrocken


    Datum: 10.05.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... sanft über den Kopf.
    
    „Ist schon gut, meine Kleine, der Versprecher macht nichts. Wolltest es wohl geheim halten, bis ich nach Hause komme und mich dann überraschen?"
    
    Fabienne nickte erleichtert.
    
    „Na, dann werde ich sagen, wenn ich mir das Zimmer anschaue, oh Gott, ein neues Kinderzimmer! Wo kommen denn all die schönen Möbel her?"
    
    Alle lachten und Fabienne war erleichtert, dass ihr niemand den Patzer übel genommen hatte.
    
    Noch vor dem Abendessen fuhren Hans-Werner und die Mädchen wieder nach Hause, damit Felicitas noch genügend Zeit hatte, im Schwimmbecken ihre Wassertherapie zu machen.
    
    Der Abschied fiel allen nicht leicht. Den Erwachsenen nicht, weil die eine Entscheidung getroffen hatten, die ihre ganzes Leben und das der Kinder verändern würde und den Mädchen nicht, weil sie ihre Mutter schon im Augenblick des Verabschiedens vermissten.
    
    Aber sie freuten sich schon auf den Donnerstag, wenn Oma und Opa zu ihnen kommen würden und dann auch mit in die Klinik fahren würden.
    
    *
    
    Am Donnerstag kamen die Eltern von Felicitas bei Hans-Werner und den Kindern an.
    
    Felicitas und Laura freuten sich sehr, ihre Großeltern zu sehen. Fabienne konnte sich noch gut an sie erinnern, aber bei Laura dauerte es einige Zeit, bis auch sie mit den beiden unbefangen umging. Sie war damals noch fast ein Baby gewesen und hatte so gut wie keine Erinnerung mehr.
    
    Die Mädchen spielten im Garten und Hans-Werner setzte sich mit Elisabeth und Erich Wagner bei einer ordentlichen ...
    ... Brotzeit, die nach der langen Fahrt auch notwendig war, auf die Terrasse und sie schauten den beiden zu.
    
    Es kam eine angeregte Unterhaltung in Gang, wo alle Fragen und Ungereimtheiten geklärt wurden.
    
    Als Hans-Werner dann Erich nach dessen Beruf fragte, wurde er erstaunt angeschaut.
    
    „Hat Felicitas denn nicht gesagt, was ich mache?", wollte Erich wissen.
    
    „Nein", bekam er zur Antwort, „sie hat anfangs immer nur gesagt, ich sei viel zu gut für sie, sie wäre ja nur ein armes Arbeiterkind."
    
    Elisabeth klopfte Ihrem Mann auf den Rücken, damit der nicht an dem Stück Wurstbrot erstickte, das er sich gerade in den Mund geschoben hatte.
    
    Erich kaute mühsam den Bissen hinunter, spülte mit einem kräftigen Schluck Bier nach und fasste sich allmählich wieder.
    
    „Ein armes Arbeiterkind? Das hat sie wirklich gesagt. Ach du meine Güte, was hat unser Kind für Minderwertigkeitskomplexe. Da musst du ihr mal gründlich den Kopf waschen. Also, ich bin in unserer Stadt für den Straßenbau und die Verkehrsinfrastruktur zuständig, das heißt von der Planung bis zur Ausführung geht das meiste über meinen Schreibtisch. Ich habe tatsächlich beim Straßenbau angefangen und wenn etwas Zeit ist, dann fahre ich schon mal raus und schaue, ob ich den Schwarzdeckenfertiger und die Walze noch bedienen kann. Armes Arbeiterkind, ich glaub es ja nicht. Und Elisabeth ist Leiterin des städtischen Kindergartens, hat also auch so einen Minijob wie ich. Felicitas ist in einem normalen gutbürgerlichen Haushalt ...
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