1. Der Kotzbrocken


    Datum: 10.05.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... aufgewachsen und muss sich deswegen nicht schämen. Junge, rede mit ihr und norde sie mal ein. Ich bin stolz auf meinen Beruf und verdiene nicht schlecht, obwohl ich natürlich mit deinem Gehalt nicht mitkomme."
    
    „Ach, Erich, was nutzt das beste Gehalt, wenn dir nichts mehr Spaß macht, wenn du keine Freunde hast und keinen Sinn mehr im Leben siehst. Du weißt ja, wie es zu dem Unfall deiner Tochter gekommen ist und dass ich eine große Schuld daran habe. Und Felicitas und die Kinder haben meinem Leben wieder Inhalt und Freude gegeben, aber dass sich das daraus entwickelt, hat wohl keiner von uns geahnt."
    
    „Macht einfach das Beste daraus", sagte Elisabeth. „Wir werden am Samstag mal mit dem Kind reden."
    
    Am Freitag kamen Hans-Werners Eltern vorbei, lernten die Eltern von Felicitas kennen und schätzen. Es wurde ein schöner Tag voll interessanter Gespräche und spielen mit den Mädchen, die alle Scheu abgelegt hatten und stolz darauf waren, dass sie so viele Omas und Opas hatten, die sich um sie kümmerten.
    
    *
    
    Als sie in der Klinik ankamen, machte Felicitas große Augen, als sie feststellte, wie viele Besucher sie hatte. Ihre Kinder und Hans-Werner, ihre Eltern, seine Eltern, Andrea und Familie besetzten 2 große Tische im Bistro. Elisabeth umarmte ihre Tochter innig und Erich meinte mit tiefem Bedauern und mit zittriger Stimme, dass er ihr leider kein Geschenk mitbringen konnte, weil er in der Fußgängerzone nicht genug hatte zusammensammeln können, um ihr etwas Anständiges ...
    ... zu kaufen.
    
    Felicitas lief vor Scham und Verlegenheit feuerrot an, Hans-Werner krümmte sich zusammen und verbarg sein sein Gesicht in der Armbeuge, damit er nicht vor Lachen platzte. Meine Güte, was war sein Schatz verlegen und eine solche Röte in ihrem Gesicht hatte er auch noch nicht erlebt.
    
    „Papa, wie kannst du mich so in Verlegenheit bringen?", fragte sie mit bebender Stimme.
    
    „Ich? Dich? Was erwartest du denn von einem Hilfsarbeiter, als den du mich deinem Mann gegenüber darstellst? Du armes hilfsbedürftiges Arbeiterkind. Mädchen, du musst dein und unser Licht nicht unter den Scheffel stellen. Hans-Werner weiß, was Mutter und ich arbeiten und er hat mit mir auf Augenhöhe geredet, mich als Gleichgestellten behandelt. Und hat er dich jemals als Mensch zweiter Klasse behandelt?"
    
    Felicitas liefen die Tränen über das Gesicht und schluchzte erbarmungswürdig. Hans-Werner vergaß sein Lachen und eilte auf sie zu. Er nahm sie in seine Arme und drückte sie zärtlich an sich. Dabei flüsterte er beruhigende Worte in ihr Ohr.
    
    Fabienne und Laura, die spürten, das ihre Mutter sehr traurig war, standen bei ihr und klammerten sich an ihren Beinen fest.
    
    Langsam beruhigte sich Felicitas wieder und als ihre Mutter sie an der Wange streichelte, schmiegte sie ihr Gesicht in ihre Hand.
    
    „Tut mir leid, Mutti, das wollte ich doch nicht", schluchzte sie und klammerte sich an ihr fest. „Aber ich war mir doch anfangs nicht sicher, ob er mich noch haben wollte, wenn er erfuhr . . . . ...
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