-
Der Kotzbrocken
Datum: 10.05.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54
... Knochen, so dass wir nicht zementieren mussten. Es wird alles komplikationslos verheilen. Das linke Bein ist jetzt 1,5 cm länger, das heißt sie wird eine spezielle Einlagesohle im rechten Schuh tragen müssen, oder eine Absatzerhöhung ihrer Schuhe in Betracht ziehen müssen, damit ein Hinken vermieden wird. Und es wird eine Narbe von etwa 20cm als Erinnerung bleiben. Wir haben ihr relativ starke Medikamente gegeben, so dass sie fast schmerzfrei sein sollte. Sie muss noch zwei Wochen hier bleiben und dann für 4 Wochen auf REHA gehen. Was geschieht in der Zwischenzeit mit den Kindern?" "Die bleiben so lange bei mir, Schwesterchen, das bin ich ihr schuldig. Frau Wagners Eltern leben zu weit weg, ihr Ex-Mann, der Vater der Kinder ist nicht auffindbar und hier haben sie sonst niemand. Und in ein Heim sollen die beiden nicht. Dafür mag ich sie zu sehr." Andrea blickte ihren Bruder überrascht an. Das war eine ganz neue Seite, die sie an ihm noch gar nicht kannte. Der Vorfall mußte ihm doch sehr nahe gegangen sein. "Sag mal, was macht denn deine Hüfte? Alles in Ordnung?" Hans-Werner verzog jungenhaft grinsend das Gesicht. Auch er hatte links ein künstliches Hüftgelenk, eine Erinnerung an einen jugendlichen Leichtsinn. Er hatte sich bei seinem Hobby, dem Bergsteigen nicht ausreichend gesichert und war in der Schweiz am Steingletscher im Berner Oberland am Sustenpass etwa 40m abgestürzt. Ein neues Hüftgelenk und ein geknicktes Selbstbewußtsein war die Folge. Das ...
... Bergsteigen hatte er darauf hin aufgeben müssen; Bergwandern in gemäßigter Form war nun angesagt. Aber wenn er lief, bemerkte wegen der Ausgleichssohle niemand sein Handicap. Er wußte also, was auf Frau Wagner zukam und wenn sie das nur halb so gut wie er meisterte, dann würde man hinterher so gut wie nichts bei ihr bemerken. Und verdammt noch mal, er würde dafür sorgen, dass sie die beste Pflege und Betreuung bekommen würde. "Wann können wir sie besuchen, was meinst du?" "Frühestens Übermorgen würde ich sagen. Morgen ist die Nachuntersuchung, da hat sie Stress genug. Übermorgen muss sie das erste Mal aufstehen und die ersten Schritte gehen, wenn es ihr Kopf erlaubt und wenn sie sich dann im Spiegel sieht, wird sie sowieso einen Schock bekommen. Ich werde morgen Nachmittag mit ihr reden und alles weitere besprechen." "Andrea, bitte sage ihr nicht, dass ihre Mädchen bei mir sind. Sie hasst mich wie die Pest und dann hätte sie wahrscheinlich keine ruhige Minute mehr." "Oh je, dann kommt besser erst in drei Tagen. Mit ihrer Gehirnerschütterung ist nicht zu spaßen und ich werde dann doch länger brauchen, um ihr einige Dinge zu erklären." Hans-Werner zögerte kurz, dann sagte er: "Bitte schau, dass sie die beste Betreuung und Pflege bekommt. Die zusätzlichen Kosten, die ihre Krankenkasse nicht bezahlt übernehme ich, denn eigentlich bin ich an ihrem ganzen Unglück schuld." Andrea umarmte ihren Bruder. "Ich werde mich darum kümmern, HaWe." Er verzog das Gesicht, denn den ...