-
Aus dem Nachlass meiner Eltern
Datum: 17.05.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bywitiko
Kurz nach meinem achtundvierzigsten Geburtstag starb erst meine Mutter und kurz danach mein Vater. Ich hatte in den letzten Jahren wenig Kontakt zu ihnen gehabt, Das letzte Mal, dass ich sie besucht hatte, war anlässlich ihrer goldenen Hochzeit gewesen. Ein für mich eher quälendes Familienfest mit alten Tanten, Onkeln und mir gänzlich unbekannten Cousinen und Cousins. Dazu die der ständig vorwurfsvollen Blicke meiner Eltern, dass ich nicht nochmal geheiratet hatte und ihnen keine Enkelkinder schenken konnte. Eine strahlende Maisonne beschien das Reiheneckhaus meiner Eltern, als ich meinen Wagen vor der Garage parkte. Meine Eltern hatten das Haus kurz nach meiner Heirat erworben und es 28 Jahren bewohnt. Es war mir vollkommen fremd, ich hatte nicht einmal in ihm übernachtet. Im Inneren war es schummrig und schlechte Luft stand in den Räumen. Als erstes zog ich die Gardinen hoch und riss die Fenster auf. Im reinfallenden Sonnenlicht tanzten die Staubkörner. Seufzend ließ ich mich auf der abgenutzten Couch nieder. Fünf Tage Urlaub hatte ich mir genommen, um das Haus soweit auszuräumen, um es einem Makler übergeben zu können, der es für mich verkaufen sollte. Mein Blick schweifte über die Schrankwand, gefüllt mit Nippes, Porzellan und irgendwelchen Andenken aus irgendwelchen Urlauben. Ich zweifelte, ob ich die Aufräumarbeiten in den fünf Tage schaffen würde. Die Nacht verbrachte ich im Gästezimmer, das einen kleinen Balkon zum Garten hinaus besaß. Am nächsten Morgen ...
... machte ich mich an die Arbeit, füllte Tüten mit Abfall, sortierte Kleider aus, rief Altwarenhändler an, damit sie Bücher, Schallplatten, Geräte und andere Dingen abholen sollten. Als ich den Abfall zu meinem Auto brachte, lernte ich die Besitzer der anderen Hälfte des Hauses kennen. Ein junges Pärchen, er ein sehniger Schlacks, der im Tank Top den Rasen mähte. Sie war ein süßes Ding mit lustigen Sommersprossen im Gesicht, aus kurz abgeschnittenen Jeans, schauten makellose Beine raus. Sie zupfte Unkraut aus den Beeten. Sie winkten mir kurz zu, ich rief ihnen ein Hallo zurück. Nach drei Tagen hatte sich das Haus einigermaßen geleert. Aber ich dachte mit Schrecken an den Keller, den ich zu Beginn besichtigt und mich mit Grauen abgewendet hatte. Das Wetter war immer wärmer geworden, mittlerweile hatte ich meine Kleidung, der von der Nachbarin angepasst. Bei einer kurzen Begegnung mit ihnen, die Seven und Ina hießen, hatte ich geglaubt, dass er auf meine Brüste gestarrt hätte. Aber wahrscheinlich war es nur Einbildung, geschuldet meiner Enthaltsamkeit an diesem trostlosen Ort meiner Eltern. Abends wurde es immer wärmer, der Garten füllte die Luft mit betörendem Duft. Ich setzte mich auf den Balkon, genoss ein Glas Rotwein und wollte gerade in einem Buch lesen, als ich hörte, dass die Nachbarn ihre Terrasse betraten. Es wurden Stühle hin und hergerückt, dann war Stille. Meine Lektüre fesselte mich nicht besonders, ein eher langweiliges Buch über ein französisches Pärchen, dass ...