1. Polyamorie 02


    Datum: 01.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byBlackHatNCat

    ... schrecklich!", wimmerte sie und warf sich an meine Brust. Schützend legte ich meine Arme um sie. "Du bist hier bei mir. Es war nur ein Traum. Alles gut." Yasi schluchzte und zitterte am ganzen Körper.
    
    Im Augenwinkel nahm ich Lisa wahr. Sie stand in der Tür. „Was ist passiert?"
    
    „Sie hatte wieder diesen Traum", erklärte ich kurz.
    
    Lisa setzte sich an die Bettkante und streichelte Yasis Rücken. Hinter ihr erschien Lena. Sie fragte: „Wann hört das endlich auf? Das kann doch so nicht weitergehen. Wir müssen was dagegen unternehmen." Sie war besorgt um ihre beste Freundin und wütend über unsere Hilflosigkeit. Mir ging es ebenso. Lena sprach das aus, was ich mich auch schon gefragt hatte:Was konnte ich dagegen Unternehmen?
    
    Die beiden legten sich zu uns ins Bett. Lisa neben Yasi und Lena hinter mich. Yasi schmiegte sich an Lisa und schloss wieder die Augen. Diesmal ließen wir vorsorglich das Licht an.
    
    „Wenn ich könnte, würde ich nach Nürnberg fahren und ihren Eltern den Kopf zurechtrücken", flüsterte Lena noch immer aufgebracht.
    
    „Ich weiß, ich würde dich sogar hinfahren", flüsterte ich zurück. „Aber dann würden sie wissen, wo Yasi ist. Das müssen wir zu ihrem Schutz verhindern."
    
    „Gibt es keine gesetzliche Handhabe gegen so was. Ich meine, Yasi ist über achtzehn. Sie kann über ihr Leben selbst bestimmen. Und eine ‚Abschiebung' zu ihrem Onkel ... das ist doch Familienzwang. Die sind doch verrückt", regte sich Lena weiter auf.
    
    „Yasi?", fing ich langsam an. „Warum ...
    ... wollen deine Eltern dich in die Türkei schicken?"
    
    „Mmmh?", kam von ihr. Ich war mir sicher, sie hatte meine Frage vernommen, darum fragte ich nur kurz: „Warum?"
    
    „Baba sagt: Ein uneheliches Kind ist Schande für die Familie! Das Kind soll weg und ich soll zu einer guten türkischen Ehefrau erzogen werden. Ich soll meinen Onkel heiraten." Sie kniff die Augen zusammen. Tränen rollten über ihre Wange. Sie landeten ploppend auf dem Kopfkissen.
    
    Ich konnte ihre Verzweiflung deutlich spüren.
    
    Lisa brauste auf: „Niemals, nur über meine Leiche!"
    
    „Das werde ich auch nicht zulassen", stimmte ich zu. „Nur ... Was können wir machen?"
    
    „Da gibt es wohl nur eine Lösung", meinte Lena. „Du musst Yasi heiraten!"
    
    Ihre Worte hallten durch meinen Kopf:
    
    Du musst Yasi heiraten!
    
    Du musst Yasi heiraten!
    
    Du musst Yasi heiraten!
    
    Ich liebte Yasi, wie noch nie einen Menschen zuvor. Bedingungslos. Wir beide gehörten zusammen. Sie war meine Seelenverwandte.
    
    Du MUSST Yasi heiraten!
    
    Was war mit all dem, was ich vorher gesagt hatte? Was war mit Lisa und Lena? Wir gehörten doch auch zusammen. Liebte ich Yasi mehr als Lena oder Lisa?
    
    „Lasst uns morgen darüber reden. Wir sollten versuchen zu schlafen", gab ich aufgewühlt und unschlüssig zurück. Ich hoffte, das Problem am nächsten Morgen mit klarem Kopf lösen zu können.
    
    Ich muss Yasi heiraten! Kapitel 8 -- Traum oder Wirklichkeit
    
    Sonntag, 25.12.2016 -- Weihnachten bis Dienstag, 27.12.2016, Hannover
    
    Frank
    
    Am ersten ...
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