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Der Fernfahrer 01
Datum: 10.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: bysirarchibald
... ein paar Minuten bezahlter Zeit, die mir oder besser uns gehörte. Wir nutzten sie, um schnell Telefonnummern und Adressen auszutauschen. Nach zwei weiteren Auftritten auf der großen Drehbühne und vorausgesetzt, es käme niemand, der sie in einer Einzelkabine haben wollte, würde sie in etwa drei Stunden "Feierabend" haben. Ich überlegte schnell und verabredete mit Kerstin, daß ich in drei Stunden mit meinem LKW vor der Tür stünde. Was auch geschah. Vorher hatte ich Anke angerufen und ihr in bedauerndem Ton mitgeteilt, daß ich nicht zur vorgesehenen Zeit zu Hause sein würde. Ich läge südlich von Hannover mit einem Motorschaden, den ich aber selbst raparieren könne, fest. Ich blockierte mit eingeschalter Warnblinkanlage und geöffneter Motorhaube, eine Panne vortäuschend, den Verkehr auf dem Steindamm in Hamburg. Nur eine Viertelstunde später trat Kerstin auf die Straße und kam auf mich zu. Zu übersehen war ja schließlich nicht, daß ich auf sie wartete. Während ich so tat, als sei mir die Reparatur endlich gelungen und das Warnschild einholte, stieg sie auf der Beifahrerseite in meinen Wagen. Kurz darauf nahm ich meinen Platz ein, ließ die Maschine an und fuhr dröhnend davon. An der nächsten roten Ampel warf ich Kerstin einen Blick zu und sah, daß sie sich offenbar genauso unbehaglich fühlte, wie ich mich. Kerstins Gründe dafür kannte ich nicht. Nach dem Grund meines Unbehagens brauchte ich nicht lange zu suchen. Auf der Autobahn mal eben ein Mädchen zu vernaschen, ...
... war schließlich etwas ganz anderes, als das Abenteuer, auf das ich mich in dem Moment einließ. Trotzdem aber fragte ich: "Zu dir oder hier?" "Hier? Wo?" kam die Gegenfrage. "Na, hier im Wagen," antwortete ich und zog den Vorhang meiner Schlafkabine zur Seite. Kerstin staunte nicht schlecht, als sie sah, was sich dahinter verbarg. "Oh, wie gemütlich," rief sie, "gut, bleiben wir im Wagen." Nur wenig später erreichte ich hinter dem Autobahndreieck Hamburg-Ost die Autobahn Hamburg - Berlin und hatte bald darauf einen leeren Rastplatz gefunden. Ich stellte meine Kiste ordnungsgemäß ab, verschloß die Türen von innen und krabbelte voraus (Der einzige Mißstand meiner Schlafkoje war eben dieses umständliche Hineinkrabbeln. Bei der nächsten Maschine werde ich mir einen Zugang von außen einbauen lassen). Kerstin kam mir nach und setzte sich auf mein Bett, während ich im Sessel Platz nahm. Wenn Sie nun glauben, daß wir uns nach einer gewissen Anlaufphase fickend auf meinem Bett wälzten, muß ich Sie enttäuschen. Kerstin und ich kamen ins Plaudern und bei einer Flasche Wein schütteten wir uns gegenseitig das Herz aus. Was ich schon vorher aus verschiedenen Anzeichen geschlossen hatte, bestätigte sich. Kerstin war keine Nutte im eigentlichen Sinne, obwohl es auf den ersten Blick so aussehen mochte und ich hatte es ja zunächst auch geglaubt, als sie zu mir in den Wagen stieg. Sie war in gewisser Hinsicht das genaue Gegenteil von Anke; sinnlich nämlich bis in die ...