1. Die Lawine - Teil 01


    Datum: 17.06.2022, Kategorien: Erotische Verbindungen, Autor: byjust_a_writer

    ... Holz knarrte und splitterte. Ein weiterer Schlag fegte mich von den Beinen. Dann herrschte plötzliche Stille. Unheimliche Stille.
    
    »Alles in Ordnung?«, fragte Frau Winkler mit zitternder Stimme.
    
    »Mir geht‹s gut? Wie siehts bei Ihnen aus?«
    
    Sie nickte. Ich rappelte mich wieder auf und ging zur Eingangstüre. Als ich sie öffnete, empfing mich eine beinahe, bis unter den Türstock reichende Schneewand. Vorsichtig schaufelte ich mit den Händen ein Loch, gerade groß genug, um hindurchzuklettern. Draußen angekommen blickte ich mich um. Der Parkplatz war verschwunden und mit ihm Frau Winklers Audi. Von der Straße, die irgendwann vom Wald verschlungen wurde, fehlte ebenfalls jede Spur.
    
    »Und wie schlimm ist es?«, kam die Frage aus der Hütte.
    
    Ich drehte mich um und sah meine Lehrerin zaghaft den Kopf herausrecken.
    
    »Schlimm«, antwortete ich geschlagen, »wenn ich ehrlich bin, dann ist es ein gottverdammtes Wunder, dass wir noch Leben.«
    
    »Oh. Und mein Auto?«, fragte sie nach.
    
    »Weg«, antwortete ich lakonisch.
    
    »Die Anderen!«
    
    »Ich denke, der Bus war schon weit genug entfernt.« Schulterzuckend zog ich mein Telefon aus der Hosentasche und starrte auf den einen einzigen, mickrigen Balken Empfang, der am Bildschirmrand aufleuchtete.
    
    »Wir müssen anrufen. Irgendwo müssen wir anrufen.«
    
    Nun war ich es, der beschwichtigend die Hand hob. »Ich schicke eine Nachricht an Patrick.«
    
    »Hey, seid ihr schon unten im Tal?«, tippte ich.
    
    Ehe ich das Handy wieder wegsteckte, ...
    ... versuchte ich beim Notdienst anzurufen. Für eine kleine Ewigkeit versuchte das Telefon eine Verbindung aufzubauen, dann ertönte das ernüchternde besetzt Zeichen.
    
    Einen Augenblick später, erreichte mich Patricks Antwort. „Ne, nicht ganz. Ich dachte schon, die Lawine hätte dich erwischt. Alles in Ordnung?»
    
    »Weiß ich nicht. Die Lawine hat die Straße verschüttet, sitzen jetzt erstmal fest. Frau Winkler und ich sind unverletzt. Das Haus steht ...«
    
    »Und?«, fragte Frau Winkler.
    
    »Sie sind noch nicht im Tal, aber die Lawine hat sie nicht erwischt. Es sind alle wohlauf«, rief ich.
    
    Schmerzhaft biss der kalte Wind an meinen Wangen und ich realisierte zum ersten Mal die anherrschende Kälte.
    
    Vibrierend meldete sich mein Telefon.
    
    »Ich habe mit Frau Hauser gesprochen, die jetzt mit einem Polizisten redet.«
    
    »Frau Hauser redet mit der Polizei«, gab ich meinen Wissenstand an meine Englischlehrerin weiter.
    
    Erneut versuchte ich es beim Notruf, wie auch schon zuvor scheiterte der Verbindungsversuch.
    
    »Was sagt die Polizei?« Es dauerte über eine Minute, bis die Nachricht endlich übermittelt werden konnte.
    
    Allmählich breitete sich ein stechender Schmerz, von meinen Zehen ausgehen auf den gesamten Fuß aus.
    
    »Vor morgen Nachmittag werden keine Hilfskräfte bei der Hütte sein. Scheint, als wären du und die Winkler wohl heute Nacht alleine auf der Hütte.« Patrick beendete seine Nachricht mit einer expliziten Kombination aus Emojis.
    
    Ich musste schmunzeln und steckte das ...
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