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Die Burg Kapitel 01
Datum: 25.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor
... warum ein Dorf von vielleicht fünfzig Häusern ein Gasthaus brauchte, öffnete ich die Tür und trat ein. Es war, als wenn ich in eine andere Zeit katapultiert worden wäre. In dem Raum, der sowohl Schankraum als auch Gaststätte zugleich war, herrschte dicke Luft. So kam es mir zumindest vor. Die kleinen Fenster ließen wenig Licht durch, und da vor mehreren die Fensterläden zugemacht worden waren, musste ich mich erst an die schwummrigen Lichtverhältnisse gewöhnen. Der Gastraum war gemütlich. Schwere, schwarze Holzbalken hielten das zweite Stockwerk dort, wo es war und das dazwischen gesetzte Mauerwerk war einmal weiß getüncht worden. Doch mit den Jahren war es von dem Rauch in dem Raum dunkler geworden. Dieser Rauch bestand zum einen aus dem Qualm, den ein großer Kamin erzeugte, der sich an einer Wand befand. Hier brannte ein großes Feuer über, dem sich tatsächlich ein kleines Schwein drehte. Es sah knusprig aus, und immer wenn etwas Fett von ihm in das Feuer tropfte, loderte das Feuer umso höher auf. Doch der Rauch kam nur zum Teil von dem Feuer, denn der andere Teil entstand von den Pfeife rauchenden Menschen, die sich ebenfalls im Raum befanden. Sie saßen an mehreren Tischen und unterhielten sich so lange, bis ich eintrat. Mehrere Köpfe drehten sich zu mir um und es wurde für einen kleinen Moment still. Zu meinem Glück, drehten sie sich wenige Sekunden später in die vorherige Richtung. Sofort wurde es wieder lauter, denn sie unterhielten sich weiter untereinander, als ...
... wenn nichts geschehen wäre. War es ja auch nicht. Also stand ich wenig später vor dem Tresen, hinter dem ein übergewichtiger Wirt seiner Arbeit nachging. Er hatte mindestens einen Zentner zu viel auf den Rippen, aber passte hier gut hin. Sofort wischte er sich die fettigen Finger an seiner Schürze ab und kam zu mir herüber. „Guten Abend!", sagte ich mit einem möglichst freundlichen Gesicht. „Ich hätte gerne ein Bier und ein Zimmer für eine Nacht." Wortlos schob er ein Glas unter den Zapfhahn und drehte diesen auf. Während das goldgelbe Gebräu in das Glas strömte, sah er mich aus seinem wenig anziehenden Gesicht an, welches von einem ausgeprägten Doppelkinn unterstützt wurde. „Ein Zimmer brauchen sie?", fragte er, wobei ich mir sicher war, dass er mich verstanden hatte. Es war keine Frage, sondern eine Art Feststellung. „Alles ausgebucht!", kam jetzt seine Antwort und ich war erstaunt darüber. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass hier jemand nach einem Zimmer fragte. So abgelegen, wie das Dorf war, verirrte sich sichern selten ein Tourist hierher und wenn, dann hatte er einen Rucksack auf dem Rücken. „Sind sie sich sicher?", fragte ich ihn zur Sicherheit noch einmal und er nickte langsam mit dem Kopf, wobei er mich mit seinen kleinen Schweineaugen fixierte, die sich nur schwer durch das Fettgewebe darum freikämpfen konnten. „Eine Frau von Hochfeldz hatte mir gesagt, dass ich hier eines bekommen würde!", sagte ich, wobei ich mich bereits in meinem Auto ...