1. Die Burg Kapitel 01


    Datum: 25.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor

    ... bekommen!"
    
    Der Wirt schien mit der Antwort zufrieden zu sein, denn ein Lächeln ließ sein Gesicht freundlicher erscheinen als zuvor. Dann räumte er den Teller ab und meinte, dass ich sagen sollte, wenn mir etwas fehlte. Danach verschwand er hinter seinem Tresen und machte das, was Wirte immer tun, wenn sie nichts zu tun hatten. Er polierte die Gläser und sah sich um, ob irgendwer etwas wünschte.
    
    Währenddessen sah ich mich genauer um.
    
    Ich hatte Zeit, solange Frau von Hochfeldz nicht erschien.
    
    An den Wänden hingen ein paar Bilder mit den unvermeidlichen Landschaftsdarstellungen. Sie zeigten Impressionen aus der Gegend, überall waren Berge darauf.
    
    Das mir am nächsten hängende Bild, zeigte die Ruine, die ich kurz zuvor gesehen hatte und obwohl dieses Bild sehr alt erschien, zeigte es die Burg im jetzigen Zustand, zumindest so, wie ich es beurteilen konnte. So konnte man sehen, dass drei der Zinnen auf der Festungsmauer nicht mehr vorhanden waren. Genauso hatte ich es bei dem kurzen Blick auf das Gemäuer gesehen. Sie sah nicht sonderlich groß aus, doch das konnte täuschen, denn das Bild war in etwa aus dem Winkel des Dorfes, also von unten, gemalt worden. Wer immer dieses Bild gestaltet hatte, wollte einen Eindruck von Bedrohung erzeugen, obwohl es auch daher kommen konnte, dass es ebenfalls, wie die Wände eine dunklere Farbe angenommen hatte, als es zuvor gehabt hatte.
    
    Die Burg machte einen düsteren, verlassenen Eindruck. Nur ganz oben, fast an der Spitze des ...
    ... Burgfrieds, waren zwei schießschartenartige Fenster hell erleuchtet. Dabei hatte man den Eindruck, als wenn der Maler den Blick eines Betrachters darauf lenken wollte. Es waren die einzigen hellen Punkte im Bild und dadurch, dass alles andere dunkel gemalt worden war, wirkten sie heller, als sie waren.
    
    Dann wandte ich meinen Blick von dem Bild ab und genoss mein Bier. Schluck für Schluck trank ich es langsam leer und fragte mich die ganze Zeit, wann meine voraussichtliche Auftraggeberin erscheinen würde. Aber sie kam nicht. Stattdessen erschien ein älterer Mann in dem Raum, sah mich und kam an meinen Tisch. Wieder wurde es mucksmäuschen still im Raum. Alle schienen den Atem anzuhalten.
    
    Nicht nur der Mann, sondern auch ich, sahen uns um und starrten in viele Augen, die uns anblicken.
    
    Dann drehte der Mann seinen Kopf in meine Richtung und sagte mit einer krächzenden Stimme: „Frau von Hochfeldz lässt sich entschuldigen. Sie bittet euch noch, bis morgen Abend auf sie zu warten. Ich soll euch fragen, ob ihr damit einverstanden seid!"
    
    Es war komisch, wie er mit mir sprach, denn seine Stimme und sein Sprachgebrauch inclusive Betonung klang seltsam. Man konnte allerdings merken, dass er sich viel Mühe gab, um verständlich zu klingen.
    
    Da ich nichts anderes zu tun hatte und der Gärtnerjob warten konnte, willigte ich ein. Immerhin bekam man hier gut zu essen und trinken, was nicht auf meine Kosten ging.
    
    Er nickte und ging mit schleppenden Schritten hinaus. Als die Tür ...
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