1. Das Bangkok Syndikat 17


    Datum: 21.08.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78

    Sechsunddreißigster Tag, abends, Bangkok
    
    Müde und traurig rieb Chai sich die Augen. Die letzten Tage hatten seine Energiereserven weitgehend aufgezehrt und noch immer war nicht abzusehen, wie lange sich diese leidliche Angelegenheit noch hinausziehen würde. Auch hatte man ihm noch nicht mitgeteilt, wie die offiziellen Stellen gegen den Club Bizarr vorzugehen gedachten. Würde man die drei jungen Deutschen mittels eines gefährlichen Polizeieinsatzes befreien oder sie doch vorsichtig aus ihrem jetzigen Umfeld zu lösen versuchen?
    
    „Ich verstehe das einfach nicht, Chai. Du hast doch mit den Offiziellen schon Gespräche geführt, oder? Und jetzt wollen die Deutschen auf einmal nicht mehr warten?"
    
    Arlak schlürfte grünen Tee aus seinem Becher, während Chai einer vorbeischlendernden jungen Thailänderin nachblickte.
    
    „Du denkst doch wohl jetzt nicht etwa an diese durchgeknallte Irre, oder?"
    
    Chai hatte in diesem Moment nicht an Nori gedacht. Wenngleich er sich eingestehen musste, die letzte Begegnung mit ihr mehrmals gedanklich durchgegangen zu sein, so bereitete ihm die derzeitige berufliche Situation momentan doch erheblich größere Sorgen.
    
    „Nein. Weißt du, wenn jetzt ein Großaufgebot der Polizei den Klub stürmt, wird man die drei Jungs vielleicht nie wiedersehen und es wäre alles umsonst gewesen."
    
    Die nächste Frage lag bereits auf Arlaks Zunge, wiewohl er überlegte, ob sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch angebracht war. Chai hatte ihm von seinem letzten Treffen ...
    ... mit der Domina erzählt, offen und ohne peinliche Details auszusparen.
    
    „Und die Mistress spielt dabei keine Rolle?"
    
    Das Gesicht des Ermittlers färbte sich rot, während aufkommende Wut seinen Tonfall verschärfte.
    
    „Nein! Verdammt, Arlak! Hier geht es um Menschenleben und nicht um meine Triebe. Was willst du von mir hören? Dass ich immer wieder an sie denken muss? Ja, gut, das gebe ich zu. Aber ich erinnere mich gleichzeitig auch immer daran, was sie anderen Menschen antut. Das hilft, glaub mir."
    
    „Wie sieht dein nächster Schritt aus?"
    
    Chai dachte an den Minister. Er hatte ihn nicht direkt empfangen sondern einen Staatssekretär vorgeschoben.
    
    „Man hat mir die Adresse eines inoffiziellen Ermittlers zwischen den Behörden und der Mafia genannt, bei dem ich ebenfalls vorstellig werden sollte. Ich will Wang unter Kontrolle halten, aber ich habe irgendwie den Eindruck, als ob jemand noch anderweitige Interessen hat, um ihn auszuschalten. Vielleicht will man ein Exempel statuieren, vielleicht auch seine Geschäfte aufteilen?"
    
    Chais Miene entspannte sich wieder.
    
    „Möglicherweise liege ich mit meinen Vermutungen aber auch völlig falsch. Trotzdem habe ich Angst vor dem Moment, wo ich feststellen muss, dass ich das Ganze nicht mehr überblicken kann, weil es eine Eigendynamik entwickelt hat."
    
    Schweigend hingen der Ermittler und sein „Neffe" ihren Gedanken nach. Zum ersten Mal in seiner beruflichen Laufbahn hatte Chai das ungute Gefühl, möglicherweise zu versagen. Zudem ...
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