1. Das Bangkok Syndikat 17


    Datum: 21.08.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78

    ... würde.
    
    Siebenunddreißigster Tag, morgens, Bangkok
    
    Aus einem Fenster im ersten Stockwerk des ehemaligen Krankenhauses blickte Jasmin mit einiger Verwunderung auf den üppig dimensionierten Parkplatz hinab, auf dem die Fahrzeuge des Hauspersonals und einiger Kunden geduldig auf ihre Besitzer zu warten schienen. Von jenem Bus allerdings, den Wangs Männer als Transportmittel nutzten, fehlte seit geraumer Zeit jegliche Spur. Ein mehr als nur ungewöhnlicher Umstand und in den letzten Jahren auch kaum vorgekommen, zumal der Pate stets akribisch darauf bedacht war, seine Interessen vor Ort vertreten zu wissen. Umso erstaunlicher für Jasmin, dass nun keiner seiner Männer im Klub aufkreuzte.
    
    Doch warum behagte ihr das Fernbleiben von Wangs Schlägertypen nicht wirklich? Was sollte sie nun tun? Den Paten anrufen und ihm melden, dass niemand gekommen war? Vielleicht hatten sie auch einen Unfall erlitten? Sie suchte in ihrem Handy nach der Nummer, die man ihr gegeben hatte. Es klingelte, doch niemand nahm das Gespräch entgegen.
    
    Nori? Sollte sie sich an die ihr unsympathische Arbeitskollegin wenden? Die Chefin des Club Bizarr zögerte, die Kurzwahltaste zu drücken. Allein schon der Gedanke an diese Domina verursachte ihr ein unangenehmes Kribbeln im Magen. Vermutlich würde man ihr aber ankreiden, die Abwesenheit von Wangs Handlangern nicht gemeldet zu haben, sie womöglich sogar noch bestrafen. So überwand sie ihre Abneigung und drückte die Taste.
    
    „Nori?!? Von Wangs ...
    ... Männern ist keiner gekommen. Ich habe vorhin bei der Nummer angerufen, doch niemand hat abgehoben."
    
    Die Domina antwortete nicht. Sie schien die Nachricht erst einmal verarbeiten zu müssen. Vielleicht ging es ihr ähnlich wie Jasmin und sie überlegte, ob und inwieweit das Fernbleiben der Mafiosi mit ihr oder dem Klub im Zusammenhang stand.
    
    „Du schickst sofort ein Taxi zu ihm. Gib dem Fahrer ein Schreiben mit! Dann haben wir fürs Erste alles getan, was man von uns erwarten kann. Teile die Mädchen ein und lass alles wie gehabt weiterlaufen!"
    
    Jasmin atmete tief durch. Nori traf sie mit ihrem Befehlston noch immer.
    
    „Was bedeutet das? Hast du eine Vermutung?"
    
    Nori blieb die Antwort auf diese Frage schuldig und blaffte stattdessen ins Telefon.
    
    „Mach das, was ich dir gesagt habe! Und das sofort, hast du mich verstanden!?!"
    
    Nori legte ihr Mobiltelefon auf den Beistelltisch neben ihrem Bett und ließ sich zurück auf die Matratze fallen. Christian hatte kaum geschlafen und zuckte zusammen, als sie sich ihm wieder zuwandte. Nori musste sich alle Mühe geben, Ruhe zu bewahren. Es missfiel ihr ungemein, dass er auf diese Art auf sie reagierte. Wenigstens hatte er mittlerweile aufgehört zu zittern.
    
    „Streck Deinen Arm aus!"
    
    Kaum hatte er ihrem Befehl Folge geleistet, legte sie ihren Kopf auch schon auf seinen Bizeps.
    
    Was war passiert? Hatte dieser kleine, unscheinbare Schnüffler es tatsächlich geschafft, einen der einflussreichsten Paten der Stadt in wenigen Tagen ...
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