1. Meine Squaw


    Datum: 12.08.2018, Kategorien: CMNF Autor: Figo

    Nun liege ich hier herum. Ich schaffe es kaum aufzustehen um mir vor der Tür eine Kippe anzustecken. Aus dem einst schillernden Fußballstar von früher ist nun ein glanzloser Patient geworden, der die Nummer zum Tod schon lange gezogen hatte und nur noch aufgerufen werden musste.
    
    Wenn ich an früher denke, entweicht meinen Lippen ab und an nochmal ein müdes Lächeln. Mit 17 Jahren war ich eines der größten Talente auf diesen Planeten. Daran gab es keinen Zweifel. Nur irgendwie war es bei mir anders als bei Anderen. Ich trainierte nicht von Morgens bis Abends wie ein Verrückter damit ich mir den Traum des Profis verwirklichen konnte. Ich betrieb diesen Sport als Hobby. Das änderte nichts an der Tatsache das ich ein gefragter Mann war. Große Clubs buhlten um mich und ich folgte den Ruf des Geldes.
    
    Nur irgendwie merkten die Spitzenteams schnell, das Sie so einen wie mich eher nicht suchten. Obwohl ich sportlich immer mithalten konnte, ließen Sie mich alle schnell wieder fallen. Nirgends konnte ich meine Chance nutzen. Milan, Real und halb London. Die Liste ist lang. Ich kann wahrlich nicht behaupten das ich keine Möglichkeiten hatte.
    
    Aber diese Clubs mochten Keine wie mich. Den klassischen Bad Boy. Obwohl ich stark spielte, zierten die Cover von Sun, Bild und Marca meist meine andere Seite. Alkoholexzesse, Frauengeschichten und ein ausschweifendes Leben machten es mir unmöglich mich irgendwo lange festzusetzen. So tingelte ich meist ein halbes Jahr später wieder vom ...
    ... aussichtsreichen Großstadtclub zum schäbigen Provinzverein. Auch hier gefiel mein Lebensstil niemanden, aber sportlich konnte man nicht auf mich verzichten.
    
    Nach der Karriere geschah plötzlich etwas doch äußerst Überraschendes. Irgendwie geriet mein Konto durch die fehlenden Einnahmen in Ungleichgewicht. Zirka 10 Jahre später war Sense. Ich lebte ab jetzt von einen kleinen niedlichen Anlagefond. Die nächste Überraschung kam prompt. Frauen stehen nicht auf versoffene, arme Mitvierziger. So lebte ich dahin, bis ich einige Zeit meinen Wohnsitz in ein Hospital verlegen musste.
    
    Nun mit 55 wird mir des öfteren von irgendwelchen Weißkitteln und solchen die es nicht mal zu Weißkitteln gebracht haben eine bestimmte Frage gestellt. „Bereuen Sie es, aus Ihren Leben nicht das Optimum herausgeholt zu haben?“
    
    Nein das tue ich nicht. Definitiv nicht. Mann könnte jetzt natürlich sagen das mehrere Ballon d’Or in meiner Villa an der Côte d’Azur stehen könnten und nicht eine eingestäubte Torjägerkanone auf einer schlichten Krankenhauskommode. Trotzdem muss man das Ganze von der optimistischen Seite betrachten. Ich hatte wohl mehr Frauen, Geld, Ruhm und Spaß mit meinen 55 Lenzen als die meisten in 100 Jahren. Irgendwie ist es auch mittlerweile ein beruhigender Gedanke geworden, das ich niemand anderen für meine Lage verantwortlich machen konnte. Das hatte ich hier bin, habe nur mir und meinen exzessiven Leben zu verdanken. Ich hab mich damit abgefunden das die fetten Jahre vorbei ...
«1234...»