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Der Spanner Teil 01
Datum: 29.10.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bys_napples
Mein Name ist Alex Beiner und ich arbeite in einer mittelgroßen Bank in einer mittelgroßen, ach eher mittleren Kleinstadt am Rhein. Mein Arbeitsgebiet ist die Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen unseres Städtchen, also ein eher ruhiger Job, weil hier ändert sich selten etwas. Außer man tut etwas, dass sich etwas ändert. Ich habe ein Hobby. Ich bin leidenschaftlicher Spanner, Voyeur, Zuschauer und diese Freizeitbeschäftigung lasse ich mir einiges kosten. Meine Eltern, Gott hab sie selig, haben mir neben einem Haus auch gleich noch ein umfangreiches Depot vererbt, so dass ich die Arbeit in der Bank eher als Nebenjob betreibe. Aber ich untertreibe. Eigentlich bin ich stinkreich, könnte den ganzen Tag an jedem Strand der Welt liegen, ein dickes Auto fahren, mir ein willige Freundin, die auf mein Geld scharf ist, zulegen, Parties feiern, teuer essen gehen, koksen, guten, teuren Wein trinken oder was man sonst noch macht, wenn Geld keine Rolle spielt. Meine Ausgaben beschränken sich auf wenige Dinge: ein Lastenrad mit Elektromotor, regelmässige Einkäufe im Bio Laden, einer hervorragenden Küchenzeile und einem Abo im örtlichen Fitness Center. Auf die Küche bin ich besonders stolz, war ja auch kostspielig, das Riesenwohnzimmer im Haus meiner Eltern in eine Profiküche umbauen zu lassen, aber was soll ich mit einem Wohnzimmer mit einer Grundfläche von 50 qm? Was vergessen? Ach ja, ein MacPro Rack mit allem Pipapo für etwas über 60.000 Euro und einmal die Woche zwei ...
... bis drei Stunden französische Konversation mit Mireille, einer bezaubernden Französin aus Annecy. Zusammen genommen dürfte dies ungefähr an die Ausrüstung kommen, die ich für mein Hobby, das Zuschauen benötige. Dazu gehören wasserfeste Tarnkleidung, perfekte Outdoorschuhe, ein Nachtsichtgerät, eine hoch auflösende, nicht zu große Kamera, ein Richtmikrophon, Kopfhörer, Pfefferspray und ein Elektroschocker. Was vergessen? Erst mal nicht. Mit dem Fahrrad drehe ich Runden durch den Ort. Ich nehme nur freistehende, ältere Häuser und suche mir immer Adressen unserer Kunden aus, da ich damit auch die entsprechenden Hintergrundinformationen habe, wie Kontaktdaten, Bonität, Beschäftigungsverhältnisse etc., aber das Wichtigste sind die jeweiligen Familienverhältnisse, Ehefrauen und Töchter, denn die sind mein eigentliches Verlangen. Vor einem Jahr war ich zur Dämmerung unterwegs. Ich parkte das Rad etwas abseits, nahm die Ausrüstung und schlenderte zum Eulenweg 25. Ein Klinkerbau mit Erdgeschoss und erstem Stock, einem kleinen Vorgarten mit einer 30 Zentimeter hohen Mauer vorn und Jägerzäunen zu den Nachbarn. Der größere Garten ist auf der Rückseite des Hauses laut Grundriss, den ich mir vorher angeschaut hatte. Mich kurz umschauend, sprang ich über die Mauer und eilte im Schutz der Büsche in den hinteren Teil des Grundstücks, um einen Platz zu finden, von dem ich durch die Panoramafenster eine perfekte Aussicht auf Reismüllers oder vielmehr auf Barbara Reismüller hatte. Die ...