1. Zufall oder Schicksal?


    Datum: 27.12.2022, Kategorien: 1 auf 1, Autor: Dingo666

    ... stockte, als sie bemerkte, dass sie nun auch wie selbstverständlich zur Du-Form übergegangen war, "Kannst du mir erklären, warum es Schicksal ist?"
    
    Er nickte.
    
    "Gerne. Zumindest versuchen." Seine Kopfbewegung wies zu den glimmenden Resten hinüber.
    
    "Gerade habe ich ein kleines Ritual durchgeführt." Er suchte nach Worten. "Ehrlich gesagt, das war mein erstes eigenes Ritual. Ein Freund, bei dem ich im Winter eine Schwitzhütte mitgemacht habe, hat es mir empfohlen und erklärt, was ich ungefähr tun muss." Ein Schnauben. "Dabei habe ich sonst mit diesem esoterischen Schnickschnack nichts zu tun."
    
    "Ein Ritual?"
    
    "Ja, genau. Sieh mal..." Wieder dieses Stocken, dieses Suchen nach der richtigen Beschreibung für das Unbeschreibliche. "Ich war mit einer Frau zusammen. Zehn Jahre. Große Liebe, verstehst du? Und sie hat mich dann verlassen, einfach so. Das war vor drei Jahren, und das hat mich ziemlich umgehauen."
    
    Conny nickte mitfühlend. Der Mann schüttelte den Kopf, als sei er heute noch verwundert über die lange zurück liegenden Ereignisse.
    
    "Seitdem läuft mit anderen Frauen irgendwie gar nichts." Er sah nun fast wütend aus. "Urs meinte, ich würde innerlich immer noch an Beatrix hängen und wäre nicht bereit für eine andere Liebe. Erst, wenn ich mich davon lösen würde."
    
    "Ah." Conny verstand langsam. "Dann ging es bei dem Ritual um die Trennung von dieser Beatrix?"
    
    "Richtig. Anfangs dachte ich: Was soll das? Ist doch kein Problem für mich! Aber es muss doch etwas ...
    ... dran sein, denn ich habe es monatelang vor mir hergeschoben. Heute Morgen habe ich mich endlich aufgerafft und alle Fotos, alle Briefe, alle alten Dinge von Bea hier in den Wald gebracht und Feuer gemacht." Er lachte kurz und ein wenig zittrig. "Ist ja eigentlich ganz einfach, ein paar alte Sachen zu verbrennen. Sollte man meinen."
    
    "Nicht unbedingt", flüsterte sie und dachte zurück, wie sich damals Jochen von ihr losgesagt hatte. Jochen, ihr langjähriger Freund aus dem Studium, der für jeden Quatsch zu haben war. Jochen, der sie so oft zum Lachen brachte. Mit dem sie auf dem Rad bis Italien gefahren war. Der zum Schluss sagte, er hätte sich in eine lebenslustige Studentin verliebt, und nicht in eine Anwältin. Karrierefrau! So hatte er sie genannt, und es war nicht als Kompliment gemeint gewesen.
    
    Schnell schüttelte sie den Kopf und vertrieb diese schattigen Erinnerungen. "Aber was hat das alles mit mir zu tun?" wollte sie wissen.
    
    Er grinste breit und breitete entschuldigend die Arme aus.
    
    "Als ich gerade eben alles ins Feuer geworfen hatte, da war es wirklich, als würde eine Last von mir genommen. Ich fühlte mich plötzlich leicht. Fast schwerelos. Da habe ich so ganz allgemein in Richtung Universum gesagt, dass ich jetzt bereit wäre für eine neue Liebe. Und nun rate mal, wer zwei Minuten später aus dem Wald und in mein Leben spaziert!"
    
    "Oh." Fasziniert sah Conny zu ihm auf und ließ sich gerne wieder von seinem durchdringenden Blick bannen, während sie seine Worte ...
«12...567...14»