1. Zufall oder Schicksal?


    Datum: 27.12.2022, Kategorien: 1 auf 1, Autor: Dingo666

    ... überdachte.
    
    Der Gedanke, dass die Schicksalsmächte sie wie an einer Schnur hierhergezogen hatten, war einerseits berückend romantisch. Die Tänzerin seufzte sehnsüchtig. Im Geiste sah sie bereits die ergriffenen Gesichter ihrer Freundinnen vor sich, wenn sie ihnen diese Geschichte erzählte. "Unglaublich! Unglaublich!", würde Astrid wohl sagen, und Josephine standen dann vermutlich schon Tränen der Rührung in den Augen.
    
    Die Juristin wehrte sich heftig gegen diese Idee. Sie wollte selbst entscheiden, wohin sie ging und mit wem sie sich einließ. Schließlich war sie eine erwachsene, erfolgreiche Frau, und kein leicht zu beeindruckendes Mädchen mehr. Kein dummes Schicksal sollte da hineinpfuschen!
    
    "Und? Bist du mein Schicksal?" fragte er mit leichter Stimme, in der ein merkwürdigen Unterton mitschwang. Conny öffnete den Mund. Stockte.
    
    "JA!" jauchzte die Tänzerin.
    
    "NEIN!" schrie die Juristin.
    
    Heillose Verdrehung in ihrem Kopf.
    
    "Wie heißt du denn überhaupt?" fragte sie zurück, um Zeit zu gewinnen.
    
    "Oh - Entschuldigung." Sein unvergleichliches Auflachen. "Ich bin Jakob. Jakob Federmann. Ich bin freiberuflicher Ingenieur und Wissenschaftler. Meine Freunde nennen mich Jake."
    
    "Hallo Jake." Sie grinste leicht. "Schön, dich kennen zu lernen. Ich heiße Conny. Oder eigentlich Cornelia Mück."
    
    "Conny." Er nickte. "Conny und Jake, das hört sich doch gut an, oder?"
    
    "Also ich weiß nicht... Das ist doch eine komische Idee, das mit dem Schicksal, oder?", ...
    ... meinte sie. "Außerdem mag ich die Vorstellung nicht, dass ich ein Sklave des Schicksals bin. Das heißt ja, ich bin nur so eine Art Statistin. Eine Erfüllungsgehilfin für Dein persönliches Glück, oder?"
    
    "Nicht unbedingt." Anscheinend genoss er diese Unterhaltung. Was auch daran liegen mochte, dass er sie immer noch in den Armen hielt. "Umgekehrt kann es ja genauso schicksalhaft sein. Du verirrst dich und stößt mitten in der Wildnis auf mich. Ich könnte genauso gut hierhergeführt worden sein. Für Dich!"
    
    Conny dachte nach. Ja, das klang schon ganz gut. Damit konnte sich die romantische Tänzerin durchaus anfreunden. Aber was war mit der anderen Seite in ihr, der klar und präzise denkenden Anwältin?
    
    "Einspruch." Sie verfiel automatisch in juristischen Slang. "Diese Behauptung kann nicht mit Argumenten untermauert werden. Eine reine Glaubensfrage also."
    
    "Hm."
    
    In seinen Augen funkelte wieder dieser jungenhafte Übermut. Gleich würde er wieder eine seiner kuriosen Ideen ausbrüten! Mit gelinder Bestürzung stellte Conny fest, dass sie sich regelrecht darauf freute.
    
    "Dann lass uns zur Überprüfung noch ein Experiment machen, ja?"
    
    Ohne auf ihre Einwilligung zu warten legte er seine kräftigen Arme um sie, drückte sie sanft, aber kategorisch an sich und küsste sie. Intensiver jetzt. Stärker. Heißer.
    
    "Mmhh..."
    
    Für einen Augenblick verspürte sie den Impuls, sich loszumachen und wegzulaufen. Weg von diesem ungewöhnlichen Mann, weg von seinen selbstverständlichen ...
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