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Die Mitte des Universums Ch. 049
Datum: 08.04.2023, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byBenGarland
... trug Nguyet ihr Markenzeichen -- einen knielangen schwarzen Faltenrock -- ohne Strümpfe, und sie hatte sich sicher absichtlich ihre Beine lange nicht rasiert. Ihre flachen, karierten Schuhe waren auch noch aus dieser Ära. Sie trug eine einfache violette Bluse, die sie auf Arbeit zwar selten getragen hatte, aber, wenn ich mich recht entsann, hatte sie sie an dem besagten stillen Dienstagnachmittag an, den wir heute nachstellen würden. „Kannst Du Dir überhaupt noch vorstellen, wie Du Dich damals gefühlt hast?" frage ich sie, nachdem wir unsere Getränke bestellt hatten. Nguyet nickte: „So ungefähr." „Hast Du damals eigentlich gedacht, dass ich Dich berühren oder gar küssen könnte, als wir endlich allein waren?" Sie schürzte ihre Lippen und überlegte: „Ach, weißt Du, darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht, ehrlich gesagt. Wir waren ja auf Arbeit. Irgendwie hatte ich das gar nicht auf dem Schirm ..." „Und wenn ich es gemacht hätte: Wäre es Dir sehr unangenehm gewesen?" „Na, direkt gewollt habe ich es natürlich damals nicht. Aber vielleicht hätte ich es auch letztlich interessant gefunden. Mich hatte ja bis dahin noch nie ein Mann angefasst ..." „Was machen wir eigentlich mit den Überwachungskameras?" fragte ich gleich noch, weil das der einzige logistische Punkt war, über den sie besser Bescheid wusste als ich. „Die dürften über den Feiertag abgeschaltet sein, da keine Schüler da sind. Du weißt doch, wie sparsam Deine Chefin ist." „Ok, stimmt. ...
... Und was sagen wir, wenn wir jemanden aufm Gang treffen? Ich meine, die kennen uns zwar alle, aber sie werden sich vielleicht fragen, was mir dort machen ..." „Na, wir sagen einfach, dass wir uns zufällig in der Stadt getroffen haben und nun aufs Dach wollen, die Aussicht genießen," schlug Nguyet vor. „Naja, ich glaube nicht, dass uns das jemand abnimmt. Aber ich habe auch keine bessere Idee. Andererseits kennen die uns ja alle und wissen, dass wir nicht zum Klauen gekommen sind." Unsere alte neue Schule -- die erste von den beiden, die unsere Chefin während der letzten fünf Jahre hatte bauen lassen -- hatte fünf Stockwerke und war U-förmig. Stand man auf der Straße davor, war rechts die Rezeption und dahinter das Direktorzimmer, oben drüber und im Quergebäude waren Klassenzimmer, und links die Wohnquartiere der ausländischen Lehrer. Mein ehemaliges Klassenzimmer war ganz oben im Quergebäude. Direkt daneben war der Unterrichtsraum, in dem sich der Buddha-Schrein befand, der jedes Haus in Südostasien beschützt. Dort war auch der WiFi-Router, um den sich heute alles drehen würde. „Was hat denn eigentlich Deine Mutter gesagt, als wir letztens doch nicht bei Dir zu Hause aufgelaufen sind?" wollte ich noch wissen, bevor wir uns zur Schule aufmachen würden. „Sie wollte uns ja mal bei Sex zusehen ..." „Na ja, sie weiß ja nicht, dass ich weiß, dass sie sich das wünscht. Sie klang aber schon enttäuscht, als sie mich noch einmal erinnerte, dass Du ‚ruhig alle zwei Monate ...