1. Eigentlich wollte sie nur . . .


    Datum: 18.04.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... Arbeit ist. Wir würden den Hof verpachten oder verkaufen müssen, aber ich will doch nicht in die Stadt ziehen."
    
    Sie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.
    
    "Und mit Werner schon gar nicht. Ich wäre dann den ganzen Tag alleine, da er dann in Vollzeit arbeiten würde. Und ich müsste mir dann eine Arbeit suchen, von der ich jetzt schon weiß, dass sie mir keinen Spaß machen wird. Ich bin halt Bäuerin mit Leib und Seele. Ja, wenn er sich hier richtig einbringen würde, dann könnten wir vom Ertrag des Hofes gut leben. Die Feriengäste bringen auch einiges, aber sie machen auch viel zusätzliche Arbeit. Und einen Mann, der nur das Stuhlpolster flach sitzt, den kann ich nicht gebrauchen."
    
    "Und wenn du dich von Werner trennst?", stellte Beate die ernste Frage. "Es ist doch dein Hof und du wirst doch sicher jemanden finden, mit dem du ihn richtig bewirtschaften kannst?"
    
    "Beate, Mensch! Ich kann mich doch nicht einfach so von Werner scheiden lassen. Wir sind fast 27 Jahre verheiratet, haben Kinder und . . ."
    
    " . . . . keine gemeinsame Zukunft, Kleines. Aber ich will dich nicht beeinflussen, das ist allein deine Entscheidung. Was sagst du dazu, Robert?"
    
    "Da gibt es schon ein paar Probleme, Beate. Ich habe Verträge mit mehreren Zeitungen und Verlagen und kann nicht so einfach aussteigen. Ich habe einen Agenten, der mir die Aufträge vermittelt und die werden sehr gut bezahlt. Ich habe ja doch noch ein paar Jährchen bis zur Rente und ich bin kein Landwirt. Die paar ...
    ... Kleinigkeiten, die ich durch Marlies gelernt habe, reichen bei Weitem nicht, um einen Hof zu führen. Und mich würde sie dann die nächsten Jahre wahrscheinlich noch weniger sehen als ihren Mann. Nein, Beate, das will ich ihr nicht zumuten. Vom Regen in die Traufe? Ohne mich, dafür ist sie mir zu schade."
    
    Eine trübsinnige Stimmung machte sich breit, die Unterhaltung schlief ein und Beate verabschiedete sich bald, um nach Hause zu fahren.
    
    *
    
    Marlies und Robert saßen noch eine ganze Weile still nebeneinander und hielten sich an den Händen. Sie hingen ihren Gedanken nach und versuchten vergeblich einer Lösung nahe zu kommen.
    
    Schließlich machten sie sich auf den Weg zur Weide, denn die Tiere mussten noch versorgt werden.
    
    Am Abend saßen aneinander gelehnt auf der Terrasse. Sie versuchten einander zu trösten, aber das war gar nicht so einfach. Zum ersten Mal waren sie sich der Probleme bewusst, die auf sie zukommen konnten.
    
    Robert konnte und wollte nicht über das Leben seiner Liebsten bestimmen, denn sie musste ihr eigenes Leben leben und ihre Entscheidung musste sie selber ohne seine Beeinflussung treffen. Alles andere würden sie beide irgendwann bitter bereuen.
    
    Und Marlies war hin und her gerissen zwischen ihrer entflammten Liebe zu Robert und der Verantwortung für ihre Familie und dem Bauernhof.
    
    Als sie zu Bett gingen, schaute er sie fragend an. Sie wusste, was er sie fragen wollte.
    
    "Nein Schatz, wir sind heute Nacht zusammen", sagte sie und drückte sich an ihn. ...
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