1. Eigentlich wollte sie nur . . .


    Datum: 18.04.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... bereits die selben Erfahrungen gemacht. Und das war nur der erste Strauch.
    
    Aber Robert war nicht nur hartnäckig, nein, er war stur. Auch als er schon aus mehreren Stichwunden blutete, verweigerte er hartnäckig die ihm angebotenen Handschuhe.
    
    Nach gut einer Stunde machte er eine Pause und Marlies schaute nach seinen Händen.
    
    „Männer!", war ihr Kommentar.
    
    Werner nahm ihr Kinn und hob es leicht an.
    
    „Frauen!", konterte er. „Ihr müsst einfach alles besser wissen. Aber du hast Recht, mein Engel, Handschuhe wären schon gut gewesen, aber da habe ich einfach kein Gefühl, was ich mache."
    
    „Dass du auch immer so stur sein musst", maulte sie. „Was hast du denn davon?"
    
    „Wenn ich nicht so stur gewesen wäre, dann wäre ich jetzt nicht mehr hier. Dann hätte ich mir gedacht, eine hübsche Frau, aber nix für dich. Sie ist verheiratet, vermutlich glücklich, also fahre und vergiss sie. Aber irgendetwas hat mich daran gehindert, so sang- und klanglos zu verschwinden. So wie du vor mir gestanden bist, verstaubt und leicht verschmutzt, hast du ein Bild zum Verlieben abgegeben. Und ich habe mich verliebt. Einfach so und auf der Stelle. Und als wir von der Schlachtersäge zurückgekommen sind, da habe ich krampfhaft nach einer Möglichkeit gesucht, wie ich bei dir, oder wenigstens in deiner Nähe bleiben konnte."
    
    „Und ich habe mir überlegt, wie ich dich auf dem Hof halten könnte. Und als du nach einem Zimmer gefragt hast, da musste ich dich einfach überreden, bei mir zu bleiben. Ich ...
    ... habe dich angelogen, als ich gesagt habe, dass alles in den Gasthöfen belegt wäre, aber ich musste dich ja irgendwie hier behalten. Bist du mir böse deswegen, Rob?"
    
    „Warum soll ich dir böse sein, Marli? Nur weil du so schnell reagiert hast, bin ich geblieben und etwas Besseres hätte mir gar nicht passieren können. Ich habe mich in dich verliebt und ich bin es mehr als als ich mir hätte erträumen lassen."
    
    Er nahm Marlies in seine Arme und sie küssten sich zärtlich und ausgiebig.
    
    *
    
    „Ähem, hmmh, entschuldigt bitte wenn ich euch störe."
    
    Beate stand hinter ihnen und räusperte sich verlegen.
    
    Robert und Marlies erschraken, lösten sich aber nicht voneinander.
    
    „Keine Panik, ich bin´s nur. Ich verpetze euch schon nicht, im Gegenteil, ich freue mich für euch. Dir Robert, gönne ich Marlies von ganzem Herzen und dir, meine beste Freundin, hätte gar nichts Besseres passieren können. Aber passt auf, was ihr macht, denn die Familie kommt nachher. Verratet euch nicht. Ich weiß nicht, was der Bernauer mit deinem Alten gesprochen hat, aber seine Frau hat mir natürlich brühwarm erzählt, dass die beiden gestern lange telefoniert haben. Seid bloß vorsichtig, dass ihr nicht auffliegt."
    
    „Danke für deine Warnung, Beate. Wir werden uns in Acht nehmen, damit die anderen nicht argwöhnisch werden", meinte Marlies.
    
    Beate trank noch eine Tasse Kaffee mit ihnen, dann nahm sie noch Eier und Milch für den Eigenbedarf mit und verabschiedete sich.
    
    Der Nachmittag zog sich zäh dahin. ...
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