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Eigentlich wollte sie nur . . .
Datum: 18.04.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54
... Marlies und Robert arbeiteten noch im Obst- und Gemüsegarten, pflückten Bohnen für das morgige Mittagessen, sowie einige Tomaten und zwei große Zucchini. Noch ein paar Gurken für den Salat und einige Zwetschgen für einen Datschi. * Die Familie Ein Auto kam den Weg entlang auf den Hof zu. „Jetzt ist es soweit, sie sind da. Schatz, ich habe Angst." „Das musst du nicht, Liebste, wir werden das Kind schon schaukeln", versuchte Robert etwas Optimismus zu verbreiten. „Geh hin und begrüße sie und ich warte hier auf euch." Aber auch Robert versuchte sich zu sammeln, während er sich wieder setzte. Er hörte das Auto bremsen, Türen schlagen und Stimmen durcheinander sprechen. Schritte näherten sich und Marlies ging vorneweg. Dahinter kam ihr Mann Werner. Er war fast 1,90m groß, hatte schütteres hellblondes Haar und war ein wenig übergewichtig. `Zuviel Zeit an der Druckmaschine und zu wenig auf dem Hof´, dachte sich Robert. Da lagen die Prioritäten eindeutig falsch. Dann folgten die Kinder, Vera und André, wie er erfahren hatte. Aber das waren keine Kinder. Sie waren erwachsen. André war etwa 23 Jahre alt, größer als sein Vater und schlank. Er studierte in Heidelberg `Angewandte Informatik und Ökonomie´. Robert musste innerlich grinsen, als er daran dachte, dass ein Landwirt in Bayern auch Ökonom genannt wurde, aber damit hatte Junior nichts im Sinn. Er warf einen kurzen Blick auf André´s Hände. Schlank und feingliedrig, Pianistenhände also. Wann hatte ...
... der wohl zum letzten Mal eine Schaufel oder Säge in der Hand gehabt? Vera war auch hoch aufgeschossen, schlank und gut gebaut. Sie war etwa zwei Jahre älter als ihr Bruder und ziemlich attraktiv. Sie kam ganz nach ihrer Mutter, genau so hübsch und sexy. Sie hatte aber trotz ihrer Jugend schon einen resignierten Zug um die Mundwinkel und schaute etwas verdrossen drein. Marlies sagte, dass ein Feriengast seit ein paar Tagen auf dem Hof war, der die alten Sägen und Mühlen in der Umgebung für einen Kalender fotografieren wollte und für einige Zeit ein Gästezimmer gemietet hatte. Werner stutzte, runzelte die Stirn und überlegte angestrengt. „Er heißt Ro . . . .", wollte sie fortfahren. „Ich kenne ihn", stieß Werner mit großen Augen hervor. Und als seine Kinder ihn erstaunt ansahen, fuhr er fort. „Nicht persönlich, aber ich weiß, wer er ist. Robert Wegener, der Skandalreporter!" Robert schüttelte den Kopf. „Das stimmt nicht ganz. Die Skandale machen andere, ich decke sie nur auf und mache sie öffentlich." „Ihretwegen mussten unser Landwirtschaftsminister und der Bauernpräsident den Hut nehmen," sagte Werner mit nicht zu überhörendem Missfallen in der Stimme und deutete vorwurfsvoll auf Robert. „Das stimmt", gab Robert zu. „Dabei haben sie noch Glück gehabt, dass sie in Deutschland leben. Das Gericht hat sie nur zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung und einer saftigen Geldstrafe verdonnert. In China wären sie für die gleichen Vergehen, also Korruption, ...