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Grober Sand 06
Datum: 02.05.2023, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byLoreleyColter
Oh, ich will einfach nur zu Staub zerfallen. Mein Gesicht fühlt sich an, als wäre ich gegen einen Vorschlaghammer gelaufen. Der Schweiß tropft an mir herunter, und ein Zucken, das sich längst nicht mehr kontrollieren lässt, erfasst in unregelmäßigen Abständen die Glieder meines Körpers. Er hat seine Finger sofort rausgezogen, als Bane verschwunden ist. Ich spüre sie immer noch, aber es ist zumindest nur milde demütigend, ein Gefühl, das sich schnell verdrängen lässt, denn meine Fußsohlen stehen in Flammen und fordern all meine Aufmerksamkeit. Ich nehme Chuck aus dem Augenwinkel wahr, wie er um mich herumschleicht und immer wieder nach der Kamera an der Decke schielt. Er hat unsägliche Angst vor dem Colonel. Nach dem, was gestern Nacht passiert ist, kann ich es nachvollziehen. Dennoch verachte ich ihn. Er hat sich nicht gewehrt, hat sich wie ein Hund im Dreck gewunden, während der Colonel ihm in die Rippen trat. Ich drücke mit der Zunge an dem Ring in meinen Mund herum, denn die Kiefer verhärten sich immer mehr. Es ist eine simple, aber infernalische Fessel. Ich fürchte, dass ich mir im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne ausbeißen werde, sobald Bane oder Chuck oder wer auch immer mir den Schwanz in den Hals schiebt. Der Würgereflex wird in einen Krampf übergehen und ich werde kotzen und dafür Schläge und Tritte kassieren und wer weiß, was sie sich dann noch einfallen lassen. Die Angst kommt näher. Ganz langsam schleicht sie sich an, kriecht mir den Rücken in Form ...
... einer Gänsehaut hinauf. Ich lasse den Kopf hängen und versuche, gleichmäßig zu atmen. Wäscheklammern an meinen Brustwarzen. Klischee. Ich will schlucken. Speichel rinnt am Kinn hinab und tropft auf die Bretter. Warum musste ich unbedingt Spielchen treiben? Was habe ich mir dabei gedacht, das heulende Häufchen Elend zu mimen, um ihn dann anzugreifen? Er hat die dreifache Masse von mir. Größenwahn hat mich in diese Situation, auf diesen scheiß Stuhl gebracht. Der Hauptfeldwebel wäre so enttäuscht von mir. Mein Hauptfeldwebel. Wo er wohl gerade ist? Wahrscheinlich zuhause, beim Abendessen. Vielleicht auch nur zweihundert Kilometer entfernt im deutschen Lager und dabei, schlafen zu gehen. Oder gefallen. Ob sie mich schon für tot erklärt haben? Oder MIA? Solange mein Gesicht nicht auf Al Jazeera als das einer Geisel in einem Terroristenvideo auftaucht, wird es niemanden übermäßig interessieren, was mit mir passiert ist. Das ist das Traurige am Dasein als einsamer Wolf. Und macht es gleichzeitig so viel leichter. Wenn ich mir in diesem Moment auch noch Gedanken um sorgenverzehrte Eltern oder einen Mann machen müsste, würde ich wesentlich schneller wahnsinnig werden. So wie es ist, verschafft mir die Gewissheit, dass es zumindest niemandem Kummer bereiten wird, wenn der Colonel mich irgendwo verscharren lässt, ein gewisses Maß an innerer Ruhe. Chuck lehnt sich vor mir mit verschränkten Armen an die Wand. Starrt mich an. Er ist auch so ein Typ, auf den zuhause niemand ...