Hinter Klostermauern 03
Datum: 29.12.2018,
Kategorien:
Nicht festgelegt,
Autor: byBrillenschlumpf
... getrieben. Henni seine Frau, die wegen ihres Selbstmordes zum ruhelosen Geist geworden war, war auch da. Wie immer betete sie still in einer schattigen Ecke der Kirche. Gisbert hatte es längst auf gegeben sie zu beschimpfen oder sonst was, nutzte ja auch nichts, wenn man keinen Körper hatte. So war der alte Sadist immer noch nicht zur Einsicht oder gar Reue gekommen.
Dann begann die Beichte. Die Schülerinnen nutzten die Gelegenheit sehr wohl, ihr Gewissen zu erleichtern. Sie kamen einzeln und teils in Grüppchen. Ein solches Grüppchen hatte sich um Esther gebildet. Esther war die Tochter des evangelischen Pastors aus dem Nachbarort. Normalerweise hätte sie im katholischen Internat und der Schule keine Aufnahme gefunden, aber der Herr Pfarrer hatte sich für seinen ökumenischen Mitbruder eingesetzt und so hatte die Oberin für Esther eine Ausnahme gemacht.
Sie hatte es bisher auch nicht zu bereuen gehabt, denn Esther war ein ruhiges fast schüchternes Mädchen. Mit einigen ihrer Mitschülerinnen hatte sie sich besonders darüber aufgeregt, dass der Bischof sich, wie die Mädels es nannten, anmaßte über ihre Erregbarkeit, Keuschheit befinden zu wollen. Die zierliche brünette Flo hatte die Nase gerümpft und gemeint: „Was weiß denn der Bischof schon von Frauen!" „Na er muss ja nichts von Frauen wissen, oder?" warf Klara ein. Und so stritten sie eine Weile herum. Einig waren sie sich nur, dass der Bischof sich doch lieber um wichtigere Dinge kümmern sollte. „Meint ihr nicht", ...
... warf Esther ein und strich sich eine ihrer blonden Haarsträhnen aus dem Gesicht, „dass Bischof Gabriel besorgt ist? Ich meine echt besorgt, dass es uns gut geht, und dass wir wohlbehütet aufwachsen?" Sie erntete einen Sturm der Entrüstung. „Es geht ums Internat und um die Einnahmen und um den Ruf der Schule." „Hat denn die Schule nicht einen ganz ausgezeichneten Ruf?" fragte Esther. Und sie diskutierten warum nur der Bischof sich grade jetzt darum kümmerte. „Ach wisst ihr" das war Klara. „Man hört ja von Ehemaligen, dass dies und jenes passiert sein soll hier im Internat. Und ganz arg soll es ja im Kerker zugehen!"
Und wieder quatschten sie aufgeregt durcheinander. „Schnattern wie eine Schar Gänse" hätte die Schwester Oberin gesagt. Ob man denn die Geschichten aus dem Kerker und über den Kerker glauben könnte und was das denn mit den Schülerinnen zu tun habe. Und es wären doch alles Gerüchte. Ein Internat ist halt ein Internat. „Na vermutlich passiert schon das Eine oder das Andere aber das wird wohl maßlos übertrieben!" meinte Antonia. Schließlich stellte Flo kategorisch fest: „Wie auch immer. Es ist sicher nicht alles Gold..., ihr wisst schon. Aber der Bischof ist nicht der Typ Licht in dieses Dunkel zu bringen. Ich sagte es ja schon, er versteht nichts von Frauen, ich wage sogar zu behaupten, dass er nicht mal ein richtiger Mann ist." „Und warum sollte ein Mann der Kirche nicht auch ein Mann sein?" fragte Esther. „Mein Papa ist auch ein Mann der Kirche, aber ich bin der ...