1. Karibik (4)


    Datum: 29.04.2021, Kategorien: Kunst, Autor: Anonym

    ... Hose an. Unsere Drachen machen nämlich einen Familienausflug.“
    
    „Na, so wie ihr beide jetzt ausseht, und wie ihr dazu noch riecht, lasse ich die Hose sowieso an, und wenn eure Drachen noch so hungrig wären.“
    
    „Ein Mann, ein Wort? Wann können wir losfahren, ich brauche endlich frisches Wasser.“
    
    „Ein Mann, ein Wort. Wir müssen nur noch auf George warten. Der wollte gegen Mittag mit dem Flieger da sein.“
    
    „Gegen Mittag erst? Nein, auf gar keinen Fall. So lange halte ich diesen Gestank nicht mehr aus.“
    
    Da meldet sich Renee zum Thema:
    
    „Brauchst du auch nicht, Demmi. George hat ein mobiles Funktelefon. Das hat er mir gesagt und ich habe auch seine Nummer. Das ist so eine ganz neue Erfindung für Millionäre. Angeblich soll das auch hier funktionieren. Florida ist ja ganz nahe, im Norden. Ansonsten hat er die Nummer und die Adresse von dem Hotel, das in der Nähe unserer Bucht ist. Wir können ihn dann ja mittags dort abholen.“
    
    „Na dann los. Mike, schmeiß endlich den Motor an.“
    
    Mike versucht es. Dazu muss er den Motor ankurbeln, weil der Akku ja auch leer ist. Immer wieder zieht der Motor stotternd Luft, stinkt, knallt, qualmt und stirbt dann wieder ab. Endlich, nach einer guten halben Stunde, einer Schlauchpuste-Attacke und einem regelrechten Saufgelage für die Dieselpumpe, haben wir es mit vereinten Kräften geschafft. Die „Swallow“ tuckert endlich los und auch der Akku wird vom Generator wieder aufgeladen. Wir können es kaum erwarten, in Renee’s Badebucht ...
    ... anzukommen. Der Mike stinkt jetzt ganz genauso, wie Renee und ich. Nein, schlimmer! Alle seine Klamotten sind mit Dieselöl getränkt.
    
    Die Bucht liegt im Südosten der Hauptinsel, gar nicht weit vom Hafen entfernt. Das Wasser ist glasklar. Man kann bis auf den sandigen Grund sehen und dort die kleinen Fische beobachten.
    
    „Achtet auf Igelfische, Steinfische, Nesselquallen und Mördermuscheln!“ ruft Mike noch, da sind wir auch schon drin. „Gibt es hier solche bösen Fische wirklich?“ frage ich Renee. „ Mir ist noch keiner begegnet“, sagt sie, aber trotzdem vermeiden wir lieber Grundberührung. Bloß gut, dass es in dieser Bucht eine sanfte kreisende Strömung gibt, die unsere dünnen, bunt schillernden Ölschlieren vom Ufer weg ins Meer trägt. Das ist zwar nicht gerade umweltfreundlich, aber es wird bald eine homöopathische Verdünnung erreichen. Es ist uns egal, denn gegen die großen Schiffe hier sind wir in dieser Beziehung Waisenkinder. Siehe Hafenbecken. Mike hat inzwischen für Komfort an Bord gesorgt. Er hat von der Kühlwasserleitung des leise im Leerlauf tuckernden Motors eine Schlauchleitung abgezweigt und uns daraus eine lauwarme Dusche gebastelt. Renee kramt aus ihrer großen Reisetasche eine große Flasche duftende Waschlotion und eine Plastikflasche mit Shampoo heraus. Wir stehen an Bord und waschen uns gegenseitig. Dabei schnattern und quietschen wir vor Wonne, wie eine ganze Schar junger Entlein, wenn es Futter gibt. Mike schaut uns zu, hält den Duscheschlauch hoch und freut sich ...
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