1. Karibik (4)


    Datum: 29.04.2021, Kategorien: Kunst, Autor: Anonym

    ... das besser, als ich? Der arme Taxifahrer wurde ständig abgelenkt und blickte immer wieder nervös in den Rückspiegel, als würde ihn jemand verfolgen. Mike drehte ihm dann einfach den Spiegel nach oben und George reichte ihm ein paar Dollarscheine nach vorn, dann war Ruhe und wir waren auch schon da.
    
    Nach dem kleinen Fußweg bis zur Bucht ließ George zum ersten Mal die halbnackte Renee stehen und kletterte über den Steg auf die „Swallow“.
    
    „Da bist du ja, mein altes Mädchen! Was hast du bloß mit ihr angestellt, Mike? Hattest du etwa Seegefechte mit Piraten? Die ist ja halb verbrannt, das arme alte Stück! Oh, wenn ihr wüsstet, welche verrückten Sachen und welche verrückten Frauen ich auf ihr erlebt habe…! Mein Gott, ich könnte gleich heulen, so komisch wird mir. Oh, entschuldige, Renee. Man soll ja nicht aus der Schule plaudern, wenn junge Frauen dabei sind. Aber da war doch noch was…“
    
    Dann verschwindet er im Niedergang, bleibt dort eine Weile unsichtbar und kommt dann wieder an Deck. In seinen Händen hält er ganz vorsichtig ein metallenes Ding, so groß, wie eine Torte. „Hier, Mike, das ist nämlich der zweite Grund, warum ich sofort hierher gekommen bin. Ich habe manchmal nächtelang nicht einschlafen können, weil ich so ein verdammt schlechtes Gewissen hatte und schon immer das Schlimmste befürchtet habe, als ich nichts mehr von dir hörte…“
    
    Dann legt er das Ding einfach auf den Klapptisch, den wir auf das Deck gestellt haben. „Was ist das?“ fragt Mike entsetzt, „doch ...
    ... nicht etwa das, was ich denke?“ Ich und Renee, wir verstehen leider nur Bahnhof, aber wir werden von Mikes Entsetzen mit angesteckt. Und das ist ganz enorm, das kann man ihm sehr deutlich ansehen. Er ist weiß wie eine Kalkwand und seine Hände zittern.
    
    „Ja, leider Mike, genau DAS ist es: eine Haftmine aus dem 2.Weltkrieg. Keine Angst, die ist jetzt noch nicht scharf. Erst, wenn man diesen Knebel hier um 180 Grad dreht und wenn der dann mit einem Klicken einrastet, dann genügt nach 30 Sekunden eine kleine Erschütterung und…Bumms! Aber vorher müsste man dann auch noch diesen Splint hier herausziehen, sonst kann man den Knebel gar nicht erst herumdrehen.“
    
    „Wie schön! Wo hat denn die die ganze Zeit gelegen, Menschenskinder, George?“ fragt Mike entsetzt.
    
    „In der Steuerbordkajüte, in dem Fach, wo die Schwimmwesten drin sind.“
    
    „In der Steuerbordkajüte? Um Himmels Willen! Dort drin hat doch fünf Wochen lang der Mateo gehaust und war fast jeden zweiten Tag besoffen. Wenn der die gefunden und damit herumgespielt hätte! Dann…“
    
    „Dann wäre von dir und der „Swallow“ jetzt nur noch ein Fettfleck übrig. Da kannst du dir vielleicht mal vorstellen, wie ich jahrelang gelitten habe, Mike. Immer dieser Gedanke im Hinterkopf.“
    
    „Na, schönen Dank auch, für dein Leiden. Was meinst du, wie es mir jetzt geht! Das hättest du mir wirklich vorher sagen können, George! Das ist ja eine schöne Sauerei! Was, zum Teufel hattest du denn eigentlich vor, mit diesem Ding?“
    
    „Das ist eine lange, ...
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