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Karibik (4)
Datum: 29.04.2021, Kategorien: Kunst, Autor: Anonym
... alte Geschichte, Mike und ich weiß auch gar nicht, ob es gut ist, wenn ich die euch jetzt erzähle…“ „Das wirst du aber jetzt müssen, George, sonst verlange ich sofort das ganze Geld zurück, das du mir für die „Swallow“ abgeknöpft hast!“ „Na gut, weil ihr hier alle so nett seid und weil es ja auch schon längst verjährt ist: Ich war früher mal ein Revoluzzer, bei der italienischen Fraktion der RAF, wenn du weißt, was ich meine. Wir haben damals den Großen Onassis erpresst, um an Geld für Waffen zu kommen und natürlich auch an ein paar eigene Centimes. Wir haben an einem seiner Tanker eine solche Haftmine angebracht und von ihm dann 10 Millionen Dollar gefordert, wenn wir sie nicht zünden. Das heißt, eigentlich haben wir sie eben NICHT da angebracht, weil ich mächtig Fracksausen hatte und mich nicht getraut habe, wegen der vielen Todesopfer und weil das ja auch nur solch arme Seeleute sind, wie ich selber einer war. Die anderen haben es aber geglaubt. Und vor allem hat es der Onassis geglaubt und sofort die gesamte Summe gezahlt. Er hat ja nie erfahren, an welchem seiner vielen Tanker die Mine klebt und alle untersuchen zu lassen, das war ihm wohl zu teuer. Da war ich dann fein raus. Daher stammt auch das ganze Geld, von dem ich meine Casino-Anteile damals gekauft habe. Aber das Ding da hatte ich eben immer noch am Hals und konnte es auch nie auf anständige Art loswerden. Als ich den Törn nach Bremen machte, um meine neue Yacht, sie heißt übrigens auch wieder ...
... „Swallow“, zu holen, wollte ich sie einfach im Atlantik versenken, dort, wo ja sowieso schon die vielen U-Boote und Schlachtschiffe auf dem Meeresgrund herumliegen. Leider hatte ich eine Frau dabei, und ich habe es dann wohl irgendwie vergessen…“ Mir ist ganz schlecht und ich raufe mir die Haare vor Schreck. „Irgendwie vergessen. Oh Gott, was für ein Wahnsinn!“ sage ich und starre entsetzt auf die Mine, als könnte sie jeden Augenblick hochgehen. Da hält er plötzlich inne und starrt mir ins Gesicht, als hätte er seine leibhaftige verstorbene Großmutter vor sich. „ Gianna ! Se sei veramente ? Gianna , mi perdoni ! È impossibile ! ” Ich verstehe gar nicht, was er von mir will. Meine letzten paar Brocken Italienisch aus meiner fernen Jugendzeit reichen gerade noch so aus, um mir zusammenzureimen, dass er mich für irgendeine Gianna hält, und dass ihm das ganz und gar nicht möglich zu sein scheint. Mir auch nicht. „He, George, ich heiße aber nicht „Gianna“ und ich kenne auch keine Gianna, und italienisch habe ich nie fließend gesprochen, obwohl ich vielleicht einen italienischen Vater hatte. Du kannst ruhig Deutsch mit mir reden, ich komme nämlich aus München.“ „Aus München? Nicht aus Siena in der Toskana?“ „Nein, nicht aus Siena, da bin ich noch nie gewesen, George.“ „Aber die Stimme! Und die Haare, das Gesicht, die Größe, deine Nase, einfach alles! Wenn du nicht Gianna Nannini bist, dann bist du ihr aber wie aus dem Gesicht ...