1. Karibik (4)


    Datum: 29.04.2021, Kategorien: Kunst, Autor: Anonym

    ... ob vielleicht mein Ehemann irgendwo mit der Flinte lauert, oder meine Schwiegermutter mit dem Hackebeil. Keiner bleibt stehen und gafft mich an. Heute verstehe ich ja auch, warum ich so nackt unmöglich an Land gehen durfte. Die wären da nicht etwa alle über mich hergefallen, ganz im Gegenteil: Die hätten sich dann alle schnell in Sicherheit gebracht, weil sie befürchten müssten, dass mein Ehemann Lust auf einen kleinen Amoklauf mit Massengemetzel hätte. Ob ich das mit der Wäscheleine vielleicht auch mal in Deutschland ausprobiere? Da muss ich aber gleich an meinen ehemaligen Münchener Nachbarn denken, der fast den ganzen Tag lang mit Fernrohr und Fotoapparat bewaffnet auf seinem Balkon gesessen hatte und sich extra ein Guckloch in die hölzerne Trennwand zu meinem Balkon gemacht hatte. Ich habe dann einen Handwerker bestellt, der mir das Guckloch auf Kopfgröße aufgebohrt hat. Dann habe ich meinen Kopf durchgesteckt und ihn gefragt, welches von meinen Körperteilen er als Nächstes zu sehen und zu fotografieren wünscht. Da hat er dann das Loch wieder zugestopft. Nein, in Deutschland klappt das bestimmt nicht. In Deutschland sperrt jeder Mann lieber seine eigene Frau in die Kühltruhe und glotzt sich inzwischen nach anderen Weibern um. Wenn man dann aber schon mal nackt auf den Wiesen im Münchener Englischen Garten gelegen hat, dann haben sie sich auch wieder nicht herangetraut. Ich meine jetzt die Jungen, Hübschen. Die trugen lieber ständig irgendwelche schlabberigen langen ...
    ... Hosen und hielten sich auf Distanz. Nur die alten dicken Väterchen lagen und saßen oder standen immer nackig um einen herum und versuchten krampfhaft, Fotoapparate und Erektionen zu verstecken. Heißt der etwa deshalb „Englischer Garten“, weil die Münchener Männer solche Gentlemen sind? Keine Ahnung, so oft war ich nun auch wieder nicht dort und gefragt habe ich noch Keinen danach.
    
    Es ist inzwischen Nacht geworden. Mike ist immer noch nicht da. Ich bereite mir aus dem reichlichen Konservenvorrat in Mikes Kombüse ein zuerst fades, dann versalzenes Essen und gehe dann alleine ins Bett. Auch gut, da kann ich mich zum ersten Mal seit 4 Tagen endlich einmal richtig ausschlafen. Gute Nacht.
    
    „Guten Morgen Demmi! Na, hast du gut geschlafen?“ In Mikes Stimme ist so viel Falschheit und Schuldbewusstsein, dass es mich sofort hochreißt, um mich nach der Frau umzusehen, die dahintersteckt. Und prompt stolpere ich auch schon über sie.
    
    Als ich aus der Kajüte komme, falle ich schon fast über ihre Füße.
    
    Eine schlanke großgewachsene schwarzhaarige schöne Frau, die auch noch duftet wie eine ganze Parfümerie. Sie hat ein schmales edles Gesicht, hüftlange, sehr gepflegte Haare, braune leuchtende Augen mit langen schwarzen Wimpern und trägt eine hellblaue Zoll-Uniform mit goldenen Kragenspiegeln, auf der der Name „Ltd. Renee Foché“ auf der linken Brusttasche eingestickt ist. Und was für eine Uniform sie trägt! Die ist maßgeschneidert und passt sich so vollkommen ihrem herrlich schlanken ...
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