1. Ein Leben in Bedrangnis Neubeginn 06


    Datum: 03.07.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byachterlaub

    ... auswichen. Als dann die Grillwürste und Schnitzel auf den Tellern neben dem selbstgemachten Nudelsalat lagen, drang unser Gelächter weit über die angrenzenden Grundstücke.
    
    Eine halbe Stunde später, wir hatten bereits die Außenbeleuchtung wegen der eintretenden Dämmerung anschalten müssen, war Helmut bereits eingenickt. Jetzt kicherten die Damen um die Wette, vor allem wenn eine von ihnen eine deftige Zote gerissen hatte, die hinter den Erzählungen von Helmut keinesfalls zurückstand.
    
    Elisabeth hatte von mir eine goldumsäumte antike Brosche aus Bernstein als Geschenk erhalten. Es war ganz nach ihrem Geschmack. Sie hatte stets ein gewisses Faible für ältere Dinge. Die erinnerten sie stets an ihre sehr glückliche Jugendzeit.
    
    Sie und ihre Familie zählten zwar zu der großen Schar von Flüchtlingen aus dem Osten. Da sie allerdings auch im Westen einige Liegenschaften besaßen, war die Familie von vornherein ungleich besser gestellt als die Masse der Einheimischen und der Vertriebenen.
    
    Ihre Freundin Herta war aus jener Anfangszeit übrig geblieben. Sie stammte ebenfalls aus Pommern und war damals zusammen mit ihren Eltern bei Elisabeths Familie untergekommen. Die beiden haben dann ihre Kindheit und Jugendzeit gemeinsam verbracht.
    
    Erst die spätere Hochzeit hat Herta dann gut 200 Kilometer entfernt verschlagen. Ihre innige Verbindung blieb zwar; aber über die Jahre der Kinderaufzucht war sie im wesentlichen auf Briefkontakte und gelegentliche Telefonate ...
    ... beschränkt.
    
    Herta erzählte mir dies in der Küche. Wir waren dazu auserwählt, die Reste der Feier abzudecken, bevor die letzten Gäste die Festlichkeit verlassen würden. Bei dieser Gelegenheit raunte sie mir in einem Unterton der Heimlichkeit zu: „Wenn du mehr von damals hören willst, komm mich doch mal im Hotel besuchen. Ich bleibe noch die Woche über hier und schaue mir die Umgebung an. Als Witwe bin ich viel allein. Vielleicht ziehe ich hierher in die Nähe von Elisabeth."
    
    Das ließ in der Tat Interessantes erwarten. Mich packte die Neugier und ich sagte zu, sie am Dienstag nach der Arbeit aufzusuchen.
    
    Ich war schon auf dem Weg nach Hause, als mir einfiel, dass ich dieser Herta einen Besuch abstatten wollte. So sagte ich kurz daheim Bescheid, dass es wohl später werden würde, erzählte allerdings nicht, dass ich mich mit Herta treffen würde.
    
    Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Elisabeth alles tun würde, um eine Zusammenkunft zu verhindern. Denn auf dem Fest hatte sie alle Versuche Hertas mit Vehemenz unterbunden, mit mir näher in Kontakt zu treten. Einmal hat sich mich einfach am Arm weggezogen. Die anderen Male fiel sie uns nur ins Wort und unterbrach so den Gedankenaustausch. Bis dahin wusste ich nur, dass sie von Kindheit an sehr eng miteinander verbunden waren. Aber offensichtlich gab es da ein Geheimnis, von dem ich nicht wissen sollte.
    
    Herta hat mich dann sehr freundlich in ihrem kleinen Hotelzimmer empfangen. Sogar Kaffee und Kuchen hatte sie bestellt. „So, du willst also ...
«1234...9»