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Das Bangkok Syndikat 18
Datum: 03.11.2021, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78
... selbst nahm niemand auch nur die geringste Notiz von ihr. Wang, mit Bonian über den Tisch gebeugt, betrachtete eine Landkarte Thailands. Wahrscheinlich bereiteten die beiden ihre Fluchtroute vor, um möglichst sicher ins Ausland zu gelangen. Mit Laos und Kambodscha lagen zwei Länder in unmittelbarer Nachbarschaft, die Abenteurern und Kriminellen immer noch weitreichende Möglichkeiten boten. Wenn es auch keinen offiziellen Krieg gab, der sie nährte, waren nach wie vor weite Landstriche unkontrolliert und kaum bewohnt. Beste Möglichkeiten also für den Anbau von Opium und dessen Schmuggel. Nori stellte sich ein wenig abseits, sie würde wohl warten müssen, bis die beiden ihre Tätigkeit beendet hatten. Bonian schien sich dabei immer wichtiger zu nehmen und sprach mit Wang mittlerweile auf Augenhöhe, als wäre er sich seiner besonderen Stellung geworden wäre. Erst nach etwa einer halben Stunde griff Bonian zum Telefon, während der Pate Nori endlich seine Aufmerksamkeit widmete. „Was willst du, kleine Nori? Ich habe jetzt keine Zeit für dich." Er wollte sie mit dieser Bemerkung abspeisen, doch Nori trat an ihn heran, selbst auf die Gefahr hin, seinen Zorn zu erregen. „Ich habe es gestern bei einem Kunden übertrieben, Wang. Er kommt alleine nicht nach Hause, obwohl ich ihn über Nacht hier behalten habe. Sag bitte einem Deiner Leute, dass er uns fahren soll." Wang runzelte die Stirn, schien erst die Bedeutung ihrer Worte bemessen zu müssen. Dann aber schien ...
... seine Neugier geweckt, in allen Details ließ er sich die vorabendlichen Vorgänge in der Kammer schildern. „Wie lange wirst du brauchen?" Nori überlegte. „Ich habe seine Wunden behandelt, aber ich werde ihn zu Hause noch einmal versorgen und ruhig stellen müssen, damit er keine Zicken macht." Wang lächelte. „Zicken? Wir verschwinden in ein paar Stunden, Nori, warum lösen wir dieses Problem nicht hier und jetzt?" Die Domina ließ ihren Blick auf Wang gerichtet. Jegliche Unsicherheit ihrerseits in diesem Moment und alles war verloren. „Er ist ein angesehenes Mitglied des hiesigen Gerichtshofes. Wenn du keine Polizei im Haus haben möchtest, ist es besser, wenn wir ihn nach Hause bringen. Er hat ein paar Hausangestellte, die werden sich sicher schon jetzt Sorgen um ihn machen." Wang zwirbelte seinen Bart. Nori hatte recht, Aufmerksamkeit konnte er in diesem Moment nicht gebrauchen, unkalkulierbare Risiken genauso wenig. „Gut. Bonian wird dir einen Fahrer besorgen. Aber beeile dich, ich brauche dich hier!" Die Domina sicherte ihre baldige Rückkehr zu, küsste Wang auf den Mund und verließ eiligen Schrittes den Raum. Bonian rief dem Totengesicht vor der Tür etwas zu, der dann der Domina mit einigem Abstand folgte. War es wirklich so einfach gewesen? Vertraute ihr der Pate tatsächlich? Sie konnte es nicht so recht glauben, zu groß waren ihre Angst vor diesem Mann und die Lehren aus den Erfahrungen ihrer schlimmen Vergangenheit. „Wie viel haben wir ...