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Das Bangkok Syndikat 18
Datum: 03.11.2021, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78
... jetzt?" Chai zehrte von seinen letzten Kraftreserven und hätte sich, so wie er war, am liebsten auf der Straße hingelegt, um zu schlafen. Ganz im Gegensatz zu Frau Doktor Silami und Arlak, die nach dieser sehr bewegenden und aufregenden Nacht noch immer voller Tatendrang waren. „Lassen sie mich nachsehen, Herr Na Ajutthaja." Maria Silami blieb stehen, sah auf ihr Schreibbrett und tippte auf dem kleinen Taschenrechner herum, der in die Klemmvorrichtung integriert war. „Es sind jetzt achtundsechzigtausendundvierhundertfünfzig Dollar." Sie blickte kurz auf ihre Armbanduhr. „Wir haben noch zwei Stunden und elf Minuten." Chai spürte seine Kräfte mehr und mehr schwinden, ausgelaugt und mit pochenden Schmerzen in seinen Schläfen setzte er einen Schritt vor den anderen. Dabei lag ein noch langer Tag vor ihm, der wohl viel Aufregung bringen würde, dessen war er sich sicher. „Herr Na Ajutthaja, jetzt reißen Sie sich doch bitte zusammen! Wir haben schließlich alle kein Auge zugetan in dieser Nacht." Arlak grinste breit, ihm gefiel diese resolute Deutsche, die, zunächst niedergeschlagen und apathisch, sich dann doch von Chais Aktionismus hatte anstecken lassen und seitdem das „Geldbeschaffungsprojekt", wie sie es nannte, erbarmungslos vorantrieb. Die halbe Nacht waren sie unterwegs gewesen. Na Ajutthaja wie auch Arlak hatten Freunde, Verwandte und Kunden um Hilfe gebeten, während die deutsche Rechtsanwältin, bestückt mit ihrem Reisepass und allen ...
... möglichen Kreditkarten, ihre Bonität zu untermauern versucht hatte. Dabei hatte sie allen, die ihr Geld geliehen hatten, ordentliche Schuldscheine ausgestellt, die mächtigen Eindruck bei den Thailändern hinterlassen hatten. Maria Silami hatte Chai für schlichtweg wahnsinnig gehalten, als dieser sich nachts um ein Uhr auf den Weg zu machen gedachte, das Geld aufzutreiben. Doch als sie bereits an der ersten Adresse, die in Chais kleinem, schwarzen Organiser vermerkt war, freundlich und aufgeschlossen empfangen worden waren, fing sie an, an den Erfolg der Operation zu glauben. Ein Supermarktbesitzer hatte ihr seine gesamten Einnahmen des Vortages übergegeben, umgerechnet viertausendfünfhundert Dollar. Nie hätte sie es für möglich gehalten, dass Menschen eines Zweite-Welt-Landes einem anderen ein derartiges Vertrauen entgegenbringen würden. Doch Chai hatte sie eines besseren belehrt. Sein Name allein schien allen gereicht zu haben, selbst einfache Leute hatten ihr Möglichstes beigesteuert, selbst wenn es nur fünfzig Dollar waren. Einundzwanzig Adressen hatten sie bislang abgeklappert, die allesamt nach demselben Schema abgearbeitet worden wurden. Ein kurzer Anruf Chais, das schnellstmögliche Erreichen der Adresse, eine kurze Erklärung, die Übergabe des Geldes, das Ausstellen des Schuldscheins. Währenddessen hatte Arlak bereits nach dem nächsten Kandidaten in Chais Adressbuch gesucht. Und die Liste war noch nicht erschöpft. „Ein Herr Neto." Arlak blickte seinen „Onkel" mit ...