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Das Bangkok Syndikat 18
Datum: 03.11.2021, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78
... sich zu beruhigen. „Hat die Mistress eine Nachricht hinterlassen?" „Nein, aber ihr Begleiter hat sie mit Gewalt aus dem Zimmer des Doktors zerren müssen. Ich habe kein Mitleid mit ihr, sie ist eine unverschämte Person." Der Ermittler wusste nicht mehr weiter. Wie konnte er Frau Doktor Silami jetzt noch beruhigen, wenn er doch selbst keinen Rat mehr wusste? „Wir haben noch eine Chance!" Die Anwältin und der Ermittler drehten sich beide überrascht zu dem Jungen um. Der aber eilte mit seinem Handy am Ohr bereits zum Ausgang und rief über die Schulter zurück. „Sie stehen im Stau, genauso wie wir vorhin. Versteht Ihr jetzt? Fragt den Mann, mit welchem Auto sie fahren, den Rest regle ich." Vierzigster Tag, vormittags, Bangkok Nori befand sich in einem Zustand totaler Resignation. Ihr so sorgfältig ausgeklügelter Plan war nicht aufgegangen, Wang würde sie mitnehmen, Christian wahrscheinlich sterben. Es durfte einfach nicht sein. Der Junge musste überleben und an ihrer Seite bleiben, war er doch der erste Mensch seit vielen Jahren, in dessen Nähe sie sich wohlfühlte und zufrieden war. Die Domina zwang sich, an etwas anderes zu denken, und blickte aus dem Seitenfenster des Kleinbusses, der sich im Schritttempo durch den dichten Verkehr mühte. Hochhäuser säumten die belebten Straßen der Innenstadt, das bunte wie geschäftige Treiben auf denselben kündete vom pulsierenden Leben dieser Millionenmetropole. Vielleicht war es das letzte Mal, dass sie all dies ...
... zu sehen bekam. Mit Wang in einem abgelegenen Dschungelverschlag hausen, ihn rund um die Uhr bedienen, sich von ihm jederzeit vergewaltigen und quälen lassen? Gerade von jenem Mann, der ihr das Einzige genommen hatte, das eine wirkliche Bedeutung in ihrem Leben gehabt hatte? Sie würde ihn töten, oder sich selbst, früher oder später. Eine andere Lösung kam ihr nicht mehr in den Sinn. Der Bus kam zum Stillstand. Das Totenkopfgesicht riss seine Hände in die Luft und ließ sie wieder aufs Lenkrad fallen. Er schimpfte und fluchte wie Satan persönlich. Wahrscheinlich hatte Wang auch von ihm Pünktlichkeit eingefordert. Nori gab sich keiner Illusion mehr hin, dieser Stau verzögerte das Unvermeidliche, vermochte es aber nicht zu ändern. Ihr Plan war gescheitert, die Option auf Freiheit verspielt. Sie hatte nur noch eine einzige Karte, die sie ausspielen konnte, doch dafür war sie noch nicht bereit. Sie lehnte sich zurück und starrte auf die Kopfstütze des Beifahrersitzes. Sie mochte Menschen gebrochen und in den Wahnsinn gefoltert haben. Aber getötet? Das war für sie nie in Frage gekommen. Vielleicht auch deshalb, weil Wang und seine Männer sich stets selbst so bereitwillig darum gekümmert hatten. Das ebenso dumpfe wie sonore Brabbeln schwerer Motorrad-Viertaktmotoren riss die Domina aus ihren trüben Gedanken. Die Fahrgastzelle des Busses begann leicht zu vibrieren, als sich die Maschinen von hinten annäherten. Nori drehte sich um und blickte über die Rücksitzbank ...