1. Das Bangkok Syndikat 18


    Datum: 03.11.2021, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78

    ... hinweg durch die Heckscheibe des VANs. Zwei schwere Chopper glitten heran, kurvten in Slalomlinien um die stehenden Fahrzeuge, zwängten sie sich dann auf der Begrenzungsspur an den Wagenreihen vorbei. Sie wurden wahrscheinlich von den neidischen Autofahreren verflucht, die, selbst zur Bewegungslosigkeit verdammt, den beiden Bikern hinterherblicken mussten.
    
    Der Lenker des vorderen Motorrades verlangsamte die Fahrt, kam auf Höhe der hinteren Sitzbank des Busses beinahe zum Stillstand. Aus verspiegelten Sonnenbrillen richtete der Biker seinen Blick kurz auf die Domina, dann schräg von hinten auf das Totenkopfgesicht. Ein Stoß gegen die Seitenwand, beinahe zeitgleich ein kreischendes, quietschendes Geräusch. Die Maschine musste im Schritttempo mit einer der rechtsseitigen Fußrasten die Wagenseite berührt und wohl auch beschädigt haben. Knapp neben der Fahrertür hielt das Motorrad an. Die sich im offenen Helm des Lenkers spiegelnde Sonne blendete Wangs Schergen und schürte seinen Zorn. Beabsichtigte der Biker, den Schaden zu klären? Wütend drückte der Malaie den Kippschalter des Fensterhebers. Kaum war die Scheibe im Türschacht verschwunden, spuckte ihm der Biker auch schon mitten ins Gesicht. Grinsend setzte der Fahrer die Maschine in Fahrt und hielt einige Meter vor dem Bus wieder an.
    
    „Du Hurensohn!", brüllte der Malaie kochend vor Wut, drückte die Fahrertür auf und sprang aus dem Wagen.
    
    Nori grinste. Beinahe hatte Wangs Lakai das Heck des Motorrades erreicht, als ...
    ... dessen Lenker schon wieder anfuhr. Drei Wagenlängen weiter brachte er die schwere Maschine erneut zum Stillstand. Schreiend und fluchend hetzte das Totenkopfgesicht hinterher, auch diesmal erfolglos. Dann verlor die Domina die beiden aus den Augen.
    
    „Mach auf!"
    
    Nori schreckte zusammen und sah jetzt das zweite Motorrad neben sich. Zwei Männer saßen darauf, der hintere gestikulierte mit beiden Händen.
    
    „Mach auf!"
    
    Die Domina dachte nicht im Entferntesten daran, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Die Pisser sollten sich verziehen, sie hatte ganz andere Sorgen.
    
    Der Mann auf dem Sozius nahm eine schwarze Sporttasche von seinem Rücken und öffnete den Reißverschluss ein Stück. Haufenweise Geldbündel waren zu sehen. Nori konnte es nicht glauben, der Onkel hatte es doch noch geschafft.
    
    Wenig später kehrte das Totenkopfgesicht zum Wagen zurück, sichtlich frustriert und völlig außer Atem. Sein Blick fiel auf Nori, die scheinbar gelangweilt aus dem Fenster starrte. Wie gerne hätte er seine Wut an dieser Fotze ausgelassen.
    
    „Mach das Fenster zu!", herrschte der Malaie sie an.
    
    Tatsächlich betätigte die junge Frau den Schalter, worauf sich die Scheibe surrend hob.
    
    Vor Noris geistigem Auge tauchte nochmals das Gesicht des Jungen auf, der ihr die Tasche gereicht hatte. Es war der Neffe gewesen, dem sie, ebenso wie seinem Onkel, vor einigen Tagen im Hotel so hart zugesetzt hatte.
    
    Endlich, nach einer weiteren halben Stunde, fuhr der Bus die Auffahrt zum Krankenhaus ...
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