1. Das Bangkok Syndikat 18


    Datum: 03.11.2021, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: bySena78

    ... Sie, Herr Doktor? Sie waren doch schon öfters in diesem Haus. Noch nie den Wunsch gehabt, sich einer unserer Damen hinzugeben?"
    
    Die Miene des Paten wandelte sich binnen einer Sekunde in puren Hohn.
    
    „Ich meine, von Noris unfreiwilligem Zuspruch einmal abgesehen?"
    
    Doktor Lubana fasste sich in den Kragen seines Hemdes, als würde er um Atemluft ringen. Wenn er den ganzen Abend Wangs Opfer spielen sollte, würde diese Zeit nichts als Folter bedeuten. Er blickte über die Stuhlreihen hinweg zum Rednerpult, von dem aus Jasmin die letzten Vorbereitungen auf der Bühne beobachtete.
    
    „Nein, Herr Wang. Ich habe es nicht so mit dem Abartigen."
    
    Der Pate legte seinen Arm auf die rechte Schulter des Mediziners und neigte seinen Kopf in dessen Richtung.
    
    „Das heißt also, wenn ich mich meiner Domina hingebe, dass ich abartig bin?"
    
    Doktor Lubana schloss die Augen und versuchte, die aufkommende Übelkeit zu ignorieren.
    
    „Aber nein, Herr Wang, so war das doch nicht gemeint. Aber Sie müssen doch selbst sehen, dass dieser Sadomaso nicht in die gesellschaftliche Norm passt."
    
    Wang lachte schallend und wandte sich Bonian zu, der prompt in die Belustigungsäußerungen seines Chefs einstimmte, wenn er auch nicht wusste, worum es ging.
    
    „Na ich doch auch nicht, mein lieber Doktor. Wäre ja auch noch schöner, nicht?"
    
    Der Arzt lächelte gekünstelt und starrte wieder zur Bühne hinauf. Wenn Wang ihn doch endlich in Ruhe lassen würde.
    
    „Wissen Sie, mein lieber Herr Doktor, es ist ...
    ... schön, dass wir uns auch einmal außerhalb ihrer beruflichen Tätigkeit treffen und uns näher kennenlernen. Immer von jungen Männern und Frauen umgeben, vermisse ich den Dialog mit meinem Semester. Verstehen Sie?"
    
    „Das glaube ich Ihnen gerne, Herr Wang."
    
    Der Pate grinste.
    
    „Ist Ihnen eigentlich schon mal aufgefallen, wie sehr wir uns ähneln? Selbe Größe und Statur, das gleiche Alter ..., wo kommen Sie eigentlich her, mein Lieber?"
    
    „Kunming, Herr Wang. Mein Vater ist nach dem großen Krieg vor den Kommunisten hierher nach Bangkok geflohen."
    
    „Sie scheinen einen intelligenten Vater gehabt zu haben, Herr Doktor. Hat seiner Familie mit dieser Entscheidung einiges an Leid erspart."
    
    Wieder lächelte der Mediziner gequält.
    
    „Er lebt noch, aber sie haben schon recht. Es war sicher der richtige Weg."
    
    Wang blickte zur Bühne, dann auf seine Uhr. In wenigen Minuten würde die Show beginnen.
    
    „Wissen Sie, Doktor Lubana, erst wir Chinesen haben Kultur in dieses Land gebracht. Die Thailänder mögen das anders sehen, aber ihr Land wäre heute ein anderes, ohne den Fleiß und die Selbstlosigkeit unserer Landsleute."
    
    Der Mediziner stimmte zu, in seinem Innersten den Beginn der Veranstaltung herbeisehnend, der dieses Gespräch hoffentlich beenden würde.
    
    „Sagen sie, mein lieber Doktor, ... bei Ihnen zu Hause weiß man Bescheid?"
    
    „Der Arzt verneinte.
    
    „Ich lebe allein, Herr Wang. Meine Arbeit war mir bisher wichtiger als mein Privatleben."
    
    „Tja, da geht es mir wohl ähnlich. ...
«12...373839...61»