1. Die Burg Kapitel 12/Ende


    Datum: 06.01.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaranKastor

    ... funktionierte das nicht. Nur Minutenweise lenkte es ab, aber immer mehr Gedanken schossen mir durch den Kopf. Doch nicht nur der Name unter der Grabplatte machte mir Kopfzerbrechen. Es schob sich etwas in mein Gehirn, woran ich zuvor nicht gedacht hatte.
    
    Dorlein war vergangen, nachdem sie ihrem Fluch entkommen war. Was würde mit der Gräfin geschehen, wenn sie ihren Teil erfüllt hatte. Ich musste sie danach fragen, sie war mir diese Antwort schuldig.
    
    Es wurde langsam dunkel und ich konnte auf dem Bergfried nicht mehr genug sehen. Also stellte ich meine Arbeit ein und stieg den Turm herunter. Unten angekommen sah ich im ersten Stock Licht. Da ich wusste, dass mich meine unbeantworteten Fragen die Nacht lang nicht schlafen lassen würden, ging ich in Richtung Haupthaus.
    
    Wenig später stand ich im ersten Stock und vor der Tür, zu dessen das Zimmer gehören musste, in dessen Fenster ich Licht gesehen hatte. Ich klopfte an und trat wenige Sekunden später ein.
    
    Das Licht war inzwischen gelöscht worden und ein feiner Geruch von Kerzenwachs lag in der Luft. Am Fenster zum Hof, konnte ich die Umrisse der Gräfin stehen sehen.
    
    Ich machte mich mit einem Räuspern bemerkbar, trat ich ein und ging auf sie zu. Sie bewegte sich kein Stück, sondern stand weiterhin bewegungslos dort. Erst als ich neben ihr stand, drehte sie ihren Kopf in meine Richtung.
    
    „Was führt euch zu mir?", fragte sie, wobei keine Überraschung in der Stimme zu hören war.
    
    „Dorlein ist erlöst und zu ihren ...
    ... Ahnen gegangen. Was wird aus Genefe von Hochfeldz, wenn der sie bindende Fluch erlischt?"
    
    Während ich die Frage aussprach, drehte ich mich so in ihre Richtung, dass sie vor mir stand.
    
    Sie drehte sich ebenfalls frontal zu mir und wir standen keinen halben Meter auseinander.
    
    „Dann werde auch ich die Welt der Lebenden verlassen und endlich mit meiner Familie vereint sein!"
    
    Ich sah sie durch die Dunkelheit an und konnte es nicht glauben. Sie sagte dies mit einer Selbstverständlichkeit, die mich erschauern ließ.
    
    „Aber lieben sie das Leben nicht?", fragte ich sie ungläubig.
    
    „Leben!", sagte sie mit einer gehauchten Stimme.
    
    „Ist es Leben, wenn man nicht mehr schlafen kann, obwohl man müde ist? Ist es lebenswert, wenn man nicht Essen und Trinken kann? Nennt ihr es Leben, wenn ihr den Ort nicht verlassen könnt, der euch umgibt? Ich kann mich nur im Dorf und der Burg aufhalten, komme bis zum Friedhof. Doch was ich von hier oben, in der Ferne erblicken kann, bleibt für mich unerreichbar."
    
    Langsam verstand ich, was sie meinte und spürte einen Kloß in meinem Hals. Ich versuchte ihn herunter zu schlucken, doch er blieb, wo er war.
    
    „Ihr seid der Erste seit Jahrhunderten, der mir Wärme bringen konnte, dem sich mein Herz öffnete. Ich spüre dieses wunderbare Gefühl, seitdem ihr hier seid, und bin entzweit in dem Gedanken, den letzten Schritt zu tun. Einen Schritt, der uns näher bringt, aber zugleich trennen wird."
    
    Ihre Stimme war leiser geworden, und obwohl es um uns ...
«12...111213...19»