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Grober Sand 03
Datum: 10.01.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byLoreleyColter
... ein Geheimnis wahren, das keines ist? Die Amerikaner nenne ihre Leute „Rogues". Wir nennen sie - vielmehr uns -- „Erlkönige". Wir Deutschen waren noch nie sonderlich gut darin, Dingen coole Namen zu geben. Ich könnte mich gerade selbst ohrfeigen. Warum musste ich unbedingt die erste sein, die in feindliche Hände gerät? Wenn mein Gesicht erst mal auf CNN erscheint, ist es völlig egal, welchen Dienst ich unserer Seite in diesem Krieg erwiesen habe. Ich werde die nächste Lynndie England sein ... Heilige Scheiße. Zum Glück habe ich keine Familie. -------------------------- Ich habe, was ich brauche. Es sind nur ein paar Seile, Kabelbinder und ein alter Stuhl. Während ich zurück zur Gefängnisbaracke laufe, wird mir schlecht. Das, was ich vorhabe, ist so dermaßen FALSCH! Doch ich habe einen Plan. Es muss nicht auf das herauslaufen, was der Colonel will, aber ich kann sie es wenigstens glauben lassen. Ihr ordentlich Angst machen, ohne es wirklich durchzuziehen. Sie sitzt auf ihrer Pritsche, noch immer eingewickelt in die Felddecke, obwohl die Temperatur schon längst über fünfundzwanzig Grad geklettert ist. Ich lege meine Ausrüstung ab, ziehe meine Uniformjacke aus und setze mich an den Schreibtisch in der Wachstube. Bevor ich anfange, nehme ich mir etwas Zeit, um mich zu sammeln und die Frau zum ersten Mal wirklich zu betrachten. Sie ist dünn, aber nicht abgemagert. Eigentlich überraschend, nach vier Monaten Gefangenschaft. Ihre Haare hängen ihr wirr und ...
... strähnig um das bleiche Gesicht. Wie kann sie so fahl sein, wo doch jeder in dieser Wüste zwangsläufig braungebrannt ist? Sie beobachtet mich, sieht mir direkt in die Augen. Wie alt sie wohl ist? Sicher noch irgendwas Mitte zwanzig. Die meisten Rogues, wenn sie denn eine ist, sind jung, sonst würden sie es dort draußen nicht durchstehen. Welche Wahnsinnigen schicken eigentlich eine Frau da raus? In diesem Land, in dem Frauen kaum mehr wert sind als Vieh. Sie muss zäh sein, sonst hätte sie es nie lebend hierher geschafft. Ihr hübsches Gesicht ist staubig, nur auf der Stirn glänzt ein wenig Schweiß. Ich raffe mich auf und öffne die Zellentür. Sie reagiert kaum. Sitzt einfach da und sieht mich ausdruckslos an. Ihre Augen starren durch mich hindurch, sie ist ganz ruhig. „Willst Du duschen?" Sie zuckt ein wenig mit dem Kopf und runzelt die Stirn. „Was?" „Duschen. Du weißt schon. Fließend Wasser, Seife und so." Unschlüssig kneift sie die Augen zusammen. Sie unterstellt mir sicherlich Hintergedanken und ich kann es ihr nicht verübeln. „Okay." Langsam steh sie auf und hält die Decke fest. Dann zieht sie einen Schmollmund und entblößt sich. Ganz Soldat, faltet sie das unförmige graue Ding und legt es akkurat ans Fußende der Pritsche. Als sie das militärische Ritual beendet hat, hält sie mir die Hände entgegen. Ich frage mich was sie von mir will, dann dämmert es mir. „Die Dusche ist gleich durch die Tür dort. Ich denke für die Paar Meter sind Handschellen etwas ...