1. Grober Sand 03


    Datum: 10.01.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byLoreleyColter

    ... und befestige den ersten Kabelbinder oberhalb der Querstrebe um einen Stab. Das Gleiche wiederhole ich links, so dass sie mit ausgebreiteten Armen dasteht.
    
    Sie atmet heftig, aber es kommt keine wirkliche Gegenwehr.
    
    Ich schlinge einen Gürtel unter ihre Achseln und ziehe ihn in ihrem Rücken fest. Mit dem zweiten Riemen befestige ich ihre Taille. Zum Schluss schiebe ich ihre Beine auseinander und fessle ihre Füße mit den verbliebenen Kabelbindern.
    
    Nun bleibt nur noch eines, aber ich zögere. Der schwarze Stoffsack in meinen Händen. Es widerstrebt mir. Dennoch ich ringe mich dazu durch, ihn ihr mit knirschenden Zähnen über den Kopf zu stülpen.
    
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    Langsam, ganz langsam, werde ich ruhiger. Das Adrenalin klingt ab und ich kann wieder einen klaren Gedanken fassen. Das bedeutet aber auch, dass ich mir meiner Situation deutlich bewusst werde.
    
    Die Fesselung ist effektiv. Ich biete ihm gerade bestimmt einen sehr leckeren Anblick. Ausgebreitet wie auf einem senkrechten Tablett. Ich lausche, aber ich kann ihn nicht ausmachen. Steht er hinter mir? Spüre ich gleich seine Hand auf meiner Brust?
    
    Wäre ich nicht ausgeflippt, würde ich jetzt nicht hier hängen und von meiner Blindheit in Angst versetzt werden.
    
    Nein, das ist Schwachsinn. Wenn er das geplant hat, hätte ich es so oder so nicht verhindern können. Und die Angst ist auch nur ein Überbleibsel des Adrenalins. Tief durchatmen. Werde ruhig.
    
    Ich ordne meine Gefühle und versuche, seine ...
    ... Gedankengänge nachzuvollziehen. Wo ist er eigentlich gerade? Vor mir? Hinter mir? Das ist jetzt egal! Bereite dich vor, erahne seinen nächsten Zug.
    
    Aber es fällt mir schwer. Ich bin nervös, ahnungslos.
    
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    Ich setze mich an den Schreibtisch und lege den Kopf in die Hände. Ich will es nicht zugeben, aber der kleine Kampf mit ihr hat mich erschöpft. Es ist noch nicht mal Mittag.
    
    Jetzt hängt sie da. Wie auf der Streckbank und völlig schutzlos. Wäre ich nicht so müde, müsste ich mich vielleicht davon abhalten, sie anzufassen.
    
    Dieses stumpfe, apathische Gefühl überkommt mich, das ich in den letzten Monaten so gut kennengelernt habe. Es ist mir schon fast zum Freund geworden, in den Stunden, in denen es nichts zu tun gibt, als in der Hitze vor sich hin zu brüten und darauf zu warten, dass die Zeit bis zur nächsten Wache, zum nächsten Einsatz vergeht. Mein Hirn wird leer und ich starre geradeaus, die nackte Frau in meinem Blickfeld.
    
    Dort draußen höre ich Schüsse. Es berührt mich nicht. Irgendwo um das Lager wird immer geschossen. Jeden Tag. Jeden beschissenen, einzelnen Tag. Gleich gehen bestimmt wieder die Sirenen. Vielleicht bleibe ich dieses Mal einfach hier sitzen. Es ist so anstrengend ... So anstrengend, jeden Tag wieder loszurennen, in die Bunker. Und dann der Geruch von Schweiß und Angst. Stickige Luft, der Atem von hundert Menschen.
    
    Die Tür geht auf und Chuck ist wieder da.
    
    Ein breites, aufgeregtes Grinsen legt sich über sein Gesicht. „Alter, ...